Erdoğan: Damaskus Urheber der Anschläge

Die blutigen Bombenanschläge in der türkischen Grenzstadt Reyhanlı haben die Spannungen zwischen Ankara und Damaskus weiter verschärft. Nach der Festnahme von türkischen Linksextremisten mit Kontakten zum syrischen Regime warnte der türkische Ministerpräsident am Montag, sein Land werde zu gegebener Zeit reagieren. Hinter der Tat stecke das syrische Regime, sagte Erdoğan. „Das ist gewiss.” Unterdessen stieg die Zahl der Getöteten auf mindestens 49 Menschen.

Bei neun am Sonntag festgenommenen Beschuldigten handele es sich um Mitglieder der „Revolutionären Volksbefreiungspartei/-front” (DHKP-C)  sowie einer Splittergruppe der „Türkischen Volksbefreiungspartei-Front” (THKP-C), berichteten türkische Medien. Auch der Sprengstoff soll demnach aus Syrien stammen. Damaskus wies die Vorwürfe einer Beteiligung an der Tat scharf zurück und beschuldigte „Terroristen”.

Rasmussen: Nato verfügt über „aktualisierte Pläne zum Schutz der Türkei”

Nach den Anschlägen hat Ankara keine zusätzliche Unterstützung der Nato angefordert. „DieTürkei hat nicht um Konsultationen gebeten”, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen im militärischen Hauptquartier des Bündnisses in Mons (Belgien). Rasmussen wollte nicht über Einzelheiten von Notfallplänen für den Fall syrischer Angriffe auf die Türkei sprechen. „Aber ich kann versichern, dass wir alle Pläne, aktualisierte Pläne haben, um eine wirksame Verteidigung und den Schutz der Türkei sicherzustellen.”

Für Verwirrung sorgten am Montag Berichte über den Absturz eines türkischen Kampffluzeugs. Die Maschine war über dem Amanos-Gebirge im Grenzgebiet zu Syrien unterwegs und nach einem Notruf des Piloten abgestürzt. Rettungsmannschaften begannen einen Sucheinsatz, teilte der türkische Generalstab mit. Der Pilot des F-16-Jets habe um 13.15 Uhr in einem letzten Funkspruch erklärt: „Ich springe ab.” Experten gingen von einem Unfall aus. Wegen der Bürgerkriegs in Syrien ist die türkische Luftwaffe seit Monaten verstärkt entlang des Grenzgebietes im Einsatz.

Erdoğan hatte am Sonntag gewarnt, es gebe Versuche, die Türkei mit Provokationen in den Bürgerkrieg in Syrien zu verwickeln. „In diese Falle werden wir nicht treten”, sagte er nun.
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Informant warnte bereits vor einer Woche vor Anschlägen in der Türkei

Auch die syrische Opposition sieht das Regime von Präsident Baschar al-Assad als Drahtzieher der Anschläge. Der Vorsitzende der Nationalen Syrischen Koalition, George Sabra, sagte in Istanbul, Ziel dieser Strategie sei es, nach der libanesischen Hisbollah-Miliz nun auch die Türkei in den Konflikt zu verwickeln. Ein syrischer Oppositioneller sagte: „Wir hatten eine Woche vor den Anschlägen über einen Informanten, der Syrien inzwischen verlassen hat, erfahren, dass diese linksextreme Gruppe mit Beziehungen zum Regime Anschläge in der Türkei und in Katar plant.” Die katarische Regierung habe die Warnungen damals nicht ernst genommen, und erst nach den Explosionen in Reyhanlı Interesse an den Informationen bekundet. Nach Angaben des Informanten liegt auch die Stadt Antakya im Visier der Extremisten.

Ein syrischer Parlamentarier behauptete dagegen, die Sprengsätze seien von Terroristen für Anschläge in Syrien vorbereitet worden und nur versehentlich in der Türkei explodiert. Syrien beschuldigt die Türkei die bewaffneten Oppositionskräfte, darunter auch Gruppen wie Jabhat al-Nusra, auf türkischen Boden zu trainieren und zu versorgen. Die Attentäter hatten am Samstag zwei Autobomben in der wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegenden Stadt gezündet. Die Anschläge wurden international verurteilt.

Türkische Journalisten protestierten unterdessen gegen eine von einem Gericht in Reyhanlı verfügte Einschränkung der Berichterstattung über das Unglück. Es sei für die Dauer von einer Woche verboten worden, Bilder der Opfer zu veröffentlichen. (dpa/dtj)