Die hitzigen Debatten in der Endphase des türkischen Parlamentswahlkampfes haben nun die öffentlichen Plätze sowie Medien verlassen und sind am Ende im Badezimmer angekommen – speziell in jenen des 2014 fertiggestellten Präsidentenpalastes Ak Saray, dem „Weißen Palast“.

Nun hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu offiziell dazu aufgefordert, den Palast zu besuchen und sich dort auf die Suche nach dem „goldenen Toilettensitz“ zu begeben.

„Ich spreche es sehr offen und hier auch zum ersten Mal aus“, erklärte Erdoğan während eines Interviews mit dem Sender TRT am späten Abend des 31. Mai. „Wenn es dem Oppositionsführer ein ehrliches Bedürfnis ist, werde ich meinen Büroleiter heute noch instruieren. Er soll kommen und sich die präsidentiellen Külliye ansehen.“

„Külliye“ ist die Umschreibung für ein osmanisches Architekturkonzept, das üblicherweise für einen Gebäudekomplex mit zentraler Moschee und einer Reihe beigeordneter Gebäude wie Krankenhäusern, Bibliotheken und einem öffentlichen Brunnen steht.

„Wird er einen solchen goldenen Toilettensitz in irgendeinem Waschbassin oder auf einer Toilette finden? Ist er bereit, sein Amt niederzulegen, wenn er keinen finden sollte? Ich werde meinerseits das Amt des Präsidenten niederlegen, wenn er einen findet“, lobt Erdoğan aus.

Kılıçdaroğlu hatte das Thema während einer Wahlkampfveranstaltung in Ankara aufgebracht, wo er für den Fall eines Wahlsieges am 7. Juni den Menschen höhere Sozialleistungen versprach.