Bei einer Rede deutete Erdoğan am Sonntag mit seiner rechten Hand das Rabia-Zeichen an, das mittlerweile zum Symbol des Widerstands gegen das ägyptische Putschregime geworden ist.

Der Hass zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn sitzt tief. Doch für eines wird Israel im gesamten Nahen Osten hoch geschätzt: nämlich für die Rolle des ewigen Sündenbocks. Diktatoren rechtfertigten ihren staatlichen Unterdrückungsapparat mit dem „Kampf gegen den israelischen Feind“, gesellschaftliche Konflikte in den arabischen Ländern wurden oftmals nicht gelöst, sondern „zionistischen Agenten“ in die Schuhe geschoben und bis heute rechtfertigen einige arabische Parteien und Gruppierungen ihre Privatarmeen damit, in ständigem Kampf mit Israel zu stehen. Israel sollte demnach bereits Vögel als Spione in der Türkei oder Haie als Angriffswaffe gegen den Tourismus in Ägypten eingesetzt haben.

Geht es nach einigen Politikern und Gruppen im Nahen und Mittleren Osten, so ist Israel Schuld an allem Übel in der Welt. Der türkische Ministerpräsident Erdoğan, der für seinen teilweise raue Rhetorik bekannt und mancherorts auch gefürchtet ist, scheint nun auf diesen Zug aufzuspringen und sieht in der Ägyptenkrise Israel nun als den eigentlichen Übeltäter.

„Israel steckt hinter dem Putsch in Ägypten, dafür haben wir Beweise“, sagte Erdoğan am Dienstag Mitgliedern der AKP auf einem Treffen in Ankara. Erdoğan zitierte bei dem Treffen einen nicht näher genannten französischen Intellektuellen, der Erdoğan zufolge im Jahre 2011 vor den Wahlen in Ägypten gegenüber dem französischen Justizminister gesagt haben soll, die Muslimbruderschaft werde nicht an der Macht bleiben, selbst wenn sie gewählt würde, da „Demokratie nicht die Wahlurne ist“. Der türkische Ministerpräsident wies auf die jüdischen Wurzeln des französischen Intellektuellen hin.

Das israelische Konsulat in Istanbul veröffentlichte umgehend eine Stellungnahme des israelischen Außenministeriums. Darin wurden die Anschuldigungen Erdoğans als Aussagen bezeichnet, die es „nicht wert“ seien, kommentiert zu werden.