Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan (r) empfängt am 10.06.2017 in Istanbul (Türkei) den bahrainischen Außenminister Chalid bin Ahmad Al Chalifa zu einem gemeinsamen Treffen. Foto: Yasin Bulbul/Presidency Press Service/AP/dpa

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat am vergangenen Samstag im Atatürk Flughafen in Istanbul den bahrainischen Außenminister Chalid bin Ahmad Al Chalifa getroffen. In dem Gespräch hinter verschlossenen Türen soll der türkische Staatspräsident auf eine rasche Lösung des Konflikts mit Katar beharrt haben. Türkische Medien zitierten den Außenminister Mevlüt Çavusoglu, Erdogan habe als Zeitplan für die Beseitigung des Streites zwischen den Golf-Staaten auf das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan hingewiesen. Die Krise müsse bis spätestens Ende des Fastenmonats in knapp zwei Wochen beendet sein, so Erdogans Wunsch.

Über die türkischen Streitkräfte, die die türkische Regierung als Solidaritätsakt nach Katar entsendet hat, betonte der türkische Außenminister, dass es sich dabei lediglich um eine Schutzmaßnahme der Küstenregion  handele und keinesfalls gegen irgendein umliegendes Land gerichtet sei.

Nach dem iranischen Außenminister ist der bahrainische Außenminister der zweite hochrangige Politiker, der wegen der Katar-Krise die Türkei besuchte. Auslöser der Krise war, dass Saudi Arabien einseitig die Isolation von Katar beschloss, an das sich kurzfristig der Jemen, die Malediven, Lybien, Jordanien, Mauretanien, Dschibuti und die Komoren beteiligten. Die Türkei fungiert, im Gegensatz zu der Syrien-Politik von alt-Außenminister und ex-Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, als Vermittler. Staatspräsident Erdogan nimmt zwar offen Stellung neben Katar ein und riskiert damit seine enge Verbindung zu Saudi Arabien, aber ruft auch von Beginn der Krise zu mehr Dialog und der Beseitigung der Krise auf.

Unterstützung von Katar wegen großen geschäftlichen Beziehungen?

Kritiker werfen der türkischen Regierung und auch dem Staatspräsidenten vor, mit Katar aus geschäftlichen Gründen solidarisch zu sein. In der Tat gehört unter den Golf-Staaten Katar zu denen, die die meisten Investitionen in der Türkei unternehmen. Schlagzeilen machte zuletzt der Verkauf des türkischen Tee-Riesen Çaykur an katarische Investoren. Desweiteren hatten die Katarer das türkische Pay-TV Digitürl für eine Milliarde Dollar, die türkische Finansbank für 2,7 Milliarden Dollar und die ABank für rund 685 Millionen Dollar erworben. Auch die Boyner Group ist mit 30,7 Anteilen für 885 Millionen Türkische Lire an das katarische Mayhoola Fonds übergegangen.

Katar kauft die halbe Welt ein

In 2011 haben Katarer den französischen Top-Club Paris Saint Germain eingekauft. Investitionen in Londoner Immobilien in Höhe von 35 Milliarden Pfund und 20% Anteilen am Londoner Heathrow Flughafen sichern den Arabern aus dem Katar auch in Großbritannien eine hohe wirtschaftliche Position. Zudem gehören 17% Anteile der Volkswagen AG im Wert von 11 Milliarden Dollar dem katarischen Unternehmen QIA.

Im internationalen Vergleich gehört Katar zu der 7. größten Investoren in der Türkei. Platz 1 belegt nach wie vor überraschend die Niederlande, mit einem Gesamtvolumen an 956 Millionen Dollar. Auch die großen diplomatischen Krisen zwischen der Türkei und der Niederlande haben an dieser Beziehung nichts verändert.