Der serbische Präsident Tomislav Nikolic

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu wies serbische Kritik an kürzlich getätigten Äußerungen des Premierministers Recep Tayyip Erdoğan zum Kosovo zurück. Die Äußerungen seien missverstanden und bewusst von nationalistischen Kräften aus dem Kontext gerissen worden.

Während einer Ansprache im kosovarischen Prizren hatte Erdoğan geäußert: „Nicht vergessen: Das Kosovo ist die Türkei und die Türkei ist das Kosovo“. Anschließend entbot er den „Rabia“-Gruß, den die Kritiker des Putsches in Ägypten kreiert hatten.

Dies hatte am Wochenende großen Aufruhr in der serbischen Presse und in der Politik zur Folge. Der serbische Präsident Tomislav Nikolic forderte von Erdoğan eine Entschuldigung für dessen „skandalöse“ Äußerungen, die eine „waffenlose Aggression“ darstellen würden, und drohte damit, seine Teilnahme an den trilateralen Gesprächsrunden zwischen Serbien, Bosnien und Herzegowina und der Türkei einzufrieren.

Diese waren im Oktober 2009 auf türkische Initiative als Konfliktlösungsmechanismus unter den Balkanstaaten ins Leben gerufen worden und sollten helfen, die Entwicklung in der Region zu fördern.

Auf seiner Webseite warf Nikolic, der bis 2008 noch die Errichtung eines „Großserbien“ gefordert hatte und in früherer Zeit durch verharmlosende Statements zu Massakern serbischer Einheiten im Bosnienkrieg sowie die Ermordung politischer Gegner aufgefallen war, Erdoğan vor, die „guten und freundlichen Beziehungen“ zu verletzen, indem er die Souveränität Serbiens herabwürdige und „Geschichtsrevisionismus“ betreibe.

Davutoğlu versucht, die Wogen zu glätten

Davutoğlu berichtete indessen von einem Telefongespräch mit seinem serbischen Amtskollegen Ivan Mrkic am Sonntagvormittag, in dem die beiden Politiker umfassend über die Ansprachen des türkischen Premierministers in Prizren und Priština gesprochen hätten. Dabei habe Davutoğlu auch deutlich gemacht, dass Reden zu einer Quelle diplomatischer Verstimmung werden können, wenn einige ihrer Inhalte aus dem Zusammenhang gerissen würden.

„Die Türkei strebt die Entwicklung guter Beziehungen zu Serbien wie auch zu allen anderen Balkanstaaten an“, betonte der Außenminister in einem Fernsehinterview mit TRT 1. „Premierminister Erdoğan hatte über das gemeinsame Schicksal der Völker des Balkans gesprochen und darüber, dass alle zusammen für Frieden und Stabilität arbeiten sollten.“

„Ich habe meinem guten Freund [Mrkic] deutlich gemacht, dass wir Belgrad, wann immer wir dorthin kommen, als zweites Zuhause betrachten. Wir lieben Städte wie Belgrad, Priština und Prizren. Wir sind uns der Meinungsverschiedenheiten bewusst, die es zwischen der Türkei und Serbien in der Kosovofrage gibt, aber beide Länder arbeiten an einer Verbesserung der Beziehungen in Achtung der Differenzen“.

„Die Türkei verwendet keine expansionistische, nostalgische Sprache“, ergänzte Davutoğlu. „Wir verwenden warme, von Herzen kommende Worte, um unsere Nähe zu den Balkanstaaten zu beschreiben. Dies hat auch unser Premierminister gemacht.“

Die Türkei gehörte im Frühjahr 2008 zu den ersten Staaten, die offiziell die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien anerkannt hatten. Mittlerweile wurde dieser Schritt von insgesamt 90 Staaten, darunter den USA und 23 EU-Ländern, nachvollzogen. Serbien lehnt eine Anerkennung strikt ab, das Land betrachtet das Kosovo als die Wiege der serbischen Kultur.

Außenministerium in Belgrad: „Kosovo ist serbisches Land“

Unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtete Today’s Zaman, dass das serbische Außenministerium den türkischen Botschafter in Belgrad, Mehmet Kemal Bozay, einbestellt hatte, um diesem die Missbilligung der Bemerkungen Erdoğans auszudrücken, die „inakzeptabel“ gewesen sein sollen und für die man eine „dringende Erklärung und Entschuldigung“ verlange.

Erdoğan hatte im Kosovo außerdem versprochen, die Türkei werde weiterhin das Streben des Kosovo nach Anerkennung auf internationaler Ebene unterstützen, während er auf die türkische Unterstützung in der Vergangenheit hingewiesen hatte, die zum Ziel hatte, auch andere Länder für eine Anerkennung zu gewinnen.

„Vergessen wir nie, dass all unsere Völker eine gemeinsame Geschichte, Kultur und Zivilisation teilen; wir sind einander Brüder und Verwandte”, so Erdoğan weiter in seiner Rede im Kosovo.

Die erste kritische Reaktion des Belgrader Außenministeriums war am Freitag gekommen. Bemerkungen wie jene Erdoğans würden in Serbien „nicht freundlich“ empfangen. „Die Stadt des Zaren Dušan des Mächtigen (des mächtigsten Herrschers des mittelalterlichen Serbiens) ist wahrscheinlich sogar der unpassendste Ort für ein Statement dieser Art. Jeder auf der Welt weiß, dass Kosovo ein serbischer Begriff ist und serbisches Land – selbst die, die es als Quasi-Staat anerkannt haben“, so das Außenministerium weiter.