Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seinen Amtsvorgänger Abdullah Gül für dessen „Fußballdiplomatie“ mit Armenien kritisiert. Gül hatte im Jahre 2008 auf Einladung des armenischen Präsidenten Serj Sarksyan ein Fußballspiel zwischen Armenien und der Türkei im Jerewan besucht.

Erdoğan artikulierte seine Kritik in einer Rede vor renommierten türkischen Historikern im Präsidentenpalast während eines Treffens, in dem über die Ereignisse von 1915 gesprochen wurde, bei denen hunderttausende Armenier getötet wurden. Güls Besuch des WM-Qualifikationsspiels im September 2008 war der erste Besuch eines türkischen Präsidenten in Armenien, seitdem die frühere Sowjetrepublik ihre staatliche Souveränität im Jahre 1991 wiedererlangt hatte.

Präsident Erdoğan zufolge spielte dieser Besuch armenischen Hardlinern in die Hände und hätte keinerlei zählbaren Erfolg an der diplomatischen Front nach sich gezogen, gab ein teilnehmender Historiker am Ende des Treffens gegenüber den Medien seine Eindrücke wieder.

Der Besuch des Fußballspiels in Armenien durch Gül gilt als Ausgangspunkt einer kurzen Phase der diplomatischen Annäherung zwischen beiden Ländern, die zuvor keinerlei diplomatischen Beziehungen unterhalten hatten, obwohl die Türkei zu den ersten Ländern gehörte, die Armeniens Unabhängigkeit anerkannten.

Türkei hatte Armenien schon früh als souverän anerkannt

Die gemeinsame Grenze zwischen den Ländern ist seit 1993 geschlossen, als Ankara sich in einem Akt der Solidarität mit Aserbaidschan weigerte, diese zu öffnen, nachdem armenische Einheiten die aserbaidschanische Provinz Berg-Karabach besetzt hatten.

Auf Güls Besuch folgten mehrere von der Schweiz vermittelter Treffen auf diplomatischer Ebene, am Ende wurden am 10. Oktober 2009 in Zürich Protokolle unterzeichnet, die den Anfang einer Normalisierung zwischen der Türkei und Armenien markieren sollten mit dem Ziel, die diplomatischen Beziehungen wiederherzustellen und die Grenze zwischen beiden Ländern wieder zu öffnen.

Nach Unterzeichnung dieser Protokolle ist dieser Annäherungsprozess jedoch bald wieder ins Stocken geraten. Bis heute herrscht zwischen Jerewan und Ankara diplomatische Eiszeit.