Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan kritisiert die Isolation Katars und stellt sich somit offen gegen den engen Verbündeten Saudi-Arabien.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat die Isolation des Golf-Emirats Katar durch mehrere arabische Länder kritisiert. Die derzeitige Lage nütze «keinem der Länder in der Region», sagte Erdoğan am Dienstag vor türkischen Diplomaten in Ankara. Zugleich lobte er die Zurückhaltung Katar, das keine Gegenmaßnahmen ergriffen habe. Regierungssprecher Numan Kurtulmuş erklärte, dass Präsident Erdoğan bezüglich der Krise im Gespräch mit Staats- und Regierungschefs sei.

Nahost-Staaten brechen diplomatische Kontakte zu Katar ab

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten und der Jemen hatten am Montag alle diplomatischen Kontakte zu Katar abgebrochen. Die Nachbarländer schlossen auch die Grenzen. Zugleich stellten sie den Flugverkehr nach Katar ein. Damit ist das Golf-Emirat, in dem 2022 die Fußball-WM ausgetragen werden soll, weitgehend isoliert. Die arabischen Staaten beschuldigen Katar, Terrororganisationen wie den sunnitischen Islamischen Staat (IS) zu unterstützen. Gleichzeitig stoßen sie sich an den angeblich guten Beziehungen Katars zum schiitischen Iran. Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien sieht in Teheran einen Erzrivalen in der Region.

Kann die Katar-Krise die Türkei betreffen?

In der Türkei werden indes Stimmen laut, die hinter der Isolation von Katar eine Verschwörung gegen die Türkei sehen. In eine Interview mit Tr.Yeniçağ.AZ erklärte der türkische Politikwissenschaftler Engin Özer, dass man die Zeichen der Zeit und vor allem die Bedeutung von Donald Trumps Saudi Arabien Besuch richtig deuten muss. Für Özer ist klar, dass das Embargo gegen Katar eine Fals Flag Aktion der USA ist, die in Wahrheit die Türkei treffen soll. Laut Politikwissenschaftler Özer könnte nun auch ein Kurswechsel gegenüber der Türkei folgen. Ziel des US-Präsidenten sei es, mit der Türkei zu brechen und diese Rolle an Saudi Arabien zu übergeben.

dpa/dtj