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Unmittelbar vor dem G20-Gipfel in Hamburg hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan den Ton gegenüber der Bundesregierung verschärft. Insbesondere kritisiert er in einem Interview der Wochenzeitung «Die Zeit», nicht vor seinen Landsleuten in Deutschland sprechen zu können: «Was ist das bitte schön für eine Geisteshaltung? Das ist sehr hässlich», sagte er und fügte hinzu: «Deutschland begeht Selbstmord. Das ist politischer Selbstmord.» Die Bundesregierung hatte einen von Erdoğan gewünschten öffentlichen Auftritt vor Anhängern am Rande des G20-Gipfels untersagt.

Über die Bemühungen Berlins im Fall des seit mehr als 140 Tagen in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel sagt Erdoğan, er könne nicht verstehen, dass man sich so sehr für eine Person einsetze: «Dass Frau Merkel überhaupt die Rettung eines Terrorverdächtigen auf die Tagesordnung bringt, war für mich auch sehr, sehr sonderbar.» Yücel habe Terroristen interviewt und sei dadurch zum Unterstützer geworden.

Erdoğan: Beziehungen unter Schröder waren «sehr anders»

Gleichzeitig betonte Erdoğan die Bedeutung der türkisch-deutschen Beziehungen angesichts der gemeinsamen Mitgliedschaft in der Nato, der Handelsbeziehungen und der drei Millionen Türken, die in Deutschland leben: «Wir brauchen einander», sagte er. «Wir müssen das bewahren.»

Zu seinen persönlichen Beziehungen zu Kanzlerin Angela Merkel sagte er: «Ich habe kein Problem mit der Kanzlerin.» Gleichwohl merkte er an, dass die Beziehungen in der Regierungszeit von SPD-Kanzler Gerhard Schröder (1998 bis 2005) «sehr anders» gewesen seien. «Ich hoffe, dass wir wieder dahin kommen.»