Archivfoto: Recep Tayyip Erdoğan, Staatspräsident der Türkei, nimmt an der Eröffnungssitzung des virtuellen Klima-Gipfels teil, zu dem US-Präsident Biden dutzende Staats- und Regierungschefs eingeladen hat. Foto: Mustafa Kamacı/Turkish Presidency/AP/dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat in einem Telefonat mit Papst Franziskus Sanktionen gegen Israel gefordert.

Israel, das ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begehe, müsse sanktioniert werden, andernfalls würden „Massaker“ an den Palästinensern fortgesetzt werden, sagte Erdoğan nach Angaben des türkischen Präsidialbüros in dem Gespräch am Montag. Es sei wichtig, dass der Papst die nötigen Botschaften in die christliche Welt und an die internationale Gemeinschaft trage, um diese zu mobilisieren.

Die internationale Gemeinschaft müsse abschreckende Reaktionen und Lektionen erteilen, forderte Erdoğan. Der Vatikan bestätigte nur, dass es am Morgen ein Telefonat des katholischen Kirchenoberhaupts mit dem Präsidenten gegeben habe, nannte aber keine Details.

Papst Franziskus hatte beim Sonntagsgebet gefordert, Israelis und Palästinenser müssten „gemeinsam an den Tisch der Verhandlungen“ zurückkehren und die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, Friedensbemühungen zu unterstützen. Erdoğan hatte in den vergangenen Tagen mit verschiedenen Staatschefs zum Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern telefoniert. Am Sonntag hatte er mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani gesprochen.

Kritik an Biden und Kurz

Vor dem Hintergrund der Eskalation des Nahost-Konfliktes kritisierte er zudem US-Präsident Joe Biden scharf. „Mit Ihren blutigen Händen schreiben Sie leider Geschichte. Sie haben uns dazu gezwungen, das zu sagen“, sagte Erdoğan am Montagabend und bezog sich auf einen angeblich geplanten Waffenverkauf der USA an Israel. Die „Washington Post“ hatte zuvor berichtet, die Biden-Regierung habe kürzlich einen potenziellen Waffenverkauf im Umfang von 735 Millionen US-Dollar genehmigt. Offizielle Angaben gab es dazu zunächst nicht. Der „Boden Palästinas“ werde mit „Gräuel, Schmerz und Blut gewaschen. Und Sie unterstützen das“, so Erdoğan.

An Österreich gewandt verurteilte der türkische Präsident auch das Hissen der israelischen Flagge auf Gebäuden der Regierung in Wien. „Ich verfluche den österreichischen Staat“, so Erdoğan. „Der österreichische Staat versucht wohl die Rechnung für die Juden, die es einem Genozid unterzogen hat, den Muslimen auszustellen.“ Als Zeichen der Solidarität mit Israel im Gaza-Konflikt wehte am Freitag eine Flagge mit dem Davidstern auf dem Kanzleramt und dem Außenministerium.

dpa/dtj