Recep Tayyip Erdoğan, Präsident der Türkei, spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Yves Herman/Pool Reuters/AP/dpa

Seit 18 Jahren ist er an der Macht, Pausen genehmigt er sich selten: Bei Recep Tayyip Erdoğan machen sich Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Immer häufiger erscheint er unkonzentriert und müde. Geht gerade eine Ära zu Ende? 

Eine unverfängliche Grußbotschaft setzt den türkischen Recep Tayyip Erdoğan unter Druck. Am 21. Juli wird er anlässlich des Opferfestes live aus dem Präsidentenpalast zugeschaltet. Der Präsident will zu AKP-Anhängern sprechen und wirkt wenig enthusiastisch. In dem 13 Minuten langen Video macht Erdoğan einen behäbigen Eindruck. Kurz erscheint es, als nicke er ein. Dann fängt er sich wieder – und redet weiter.

Es sind Vorfälle wie dieser, die Zweifel an der Gesundheit des mächtigen Mannes am Bosporus nähren. Ist Erdoğan krank oder nur müde? Muss sich das türkische Volk Sorgen um sein Staatsoberhaupt machen, der als begeisternder Redner und Wahlkämpfer bekannt wurde? Oder ist alles halb so schlimm? Fakt ist: Erdoğan ist seit 18 Jahren an der Macht, arbeitet viel und gönnt sich nur selten eine Pause.

Unmut der Bevölkerung wächst

Die Fragen nach seinem Gesundheitszustand kommen zum unpassendsten Zeitpunkt. Die türkische Bevölkerung leidet aktuell unter einer Wirtschaftskrise (DTJ-Online berichtete). Die Preise für Grundnahrungsmittel, Strom, Wasser steigen stetig, ebenso die Mietenkosten. Dafür ist er nicht allein verantwortlich, aber da er de facto allein regiert und in den Medien omnipräsent ist, wächst der Unmut gegen ihn.

Dazu passt: Erdoğan steht in Umfragen schlecht da. Immer weniger Türk:innen sind mit ihrem Präsidenten einverstanden. Das Istanbuler Meinungsforschungsinstitut „MetroPOLL“ sieht die AKP zurzeit lediglich bei 29,3 Prozent. Ankara schweigt dazu.

Ausdauernder Machtmensch Erdoğan

Zu seiner vermeintlichen Altersschwäche gesellen sich Aussagen aus Erdoğans Vergangenheit. Als er selbst noch in der Opposition war, warf er älteren Spitzenpolitikern vor, nicht mehr in der Lage zu sein, das Land zu regieren. Im Mai 2002 legte er dem damaligen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit, zu diesem Zeitpunkt 77 Jahre alt, einen altersbedingten Rücktritt nahe.

Ein anderes Mal sagte er in einem Interview, er wolle in keiner Partei sein, in der über 65-Jährige das Sagen hätten. Erdoğan ist nun 67 Jahre alt – und als ausdauernder Machtmensch bekannt. Wie lange er noch in der Lage sein wird, sein Amt auszufüllen, ist Spekulation. Seine Aussetzer nähren indes Zweifel.