Erdogan und Rohani in Teheran.

Der Iran ist ein mächtiger Akteur im Mittleren Osten und zugleich ein wichtiger Nachbar der Türkei. Obwohl Ankara und Teheran beispielsweise mit Blick auf Syrien gegensätzliche Ziele verfolgen, scheinen sich die beiden Regionalmächte einander anzunähern. Die Stimmung war dementsprechend freundlich. Bei seinem ersten Iranbesuch seit zwei Jahren sagte Recep Tayyip Erdoğan, er fühle sich „wie in einem zweiten Zuhause“.

Den Aussagen des türkischen Premierministers zufolge geht es beim Treffen mit Rohani vor allem um den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern. „Ich hoffe, dass wir beim kommenden Türkeibesuch des iranischen Präsidenten Rohani die Chance ergreifen können, um einen Kooperationsvertrag zu unterzeichnen. Zwischen Ankara und Teheran liegen (gerade einmal) zwei Flugstunden und unsere Hauptstädte sind einander so auch physisch nahe. Wir werden für die Zukunft wichtige Schritte unternehmen”, sagte Erdoğan auf einer Pressekonferenz in Teheran und bedankte sich für die Gastfreundschaft des Irans.

Erdoğan reiste mit hochrangigen Ministern nach Teheran

„Die Türkei hat auf ihrem Weg, eine bedeutende Industrienation zu werden, einen großen Schritt nach vorne gemacht. Nun muss die Türkei ihr Leistungsvermögen ausbauen. Basierend auf einem Win-Win-Szenario kann die Türkei mit dem Iran diese Schritte gemeinsam gehen. Wir können auch bestimmte Güter in den Iran exportieren. Unsere Wirtschaftsminister haben diesbezüglich bereits kooperiert. Ich denke, dieses Treffen war sehr produktiv”, erklärte der türkische Regierungschef.

Während Erdoğans Besuch wurde eine Vereinbarung über die Errichtung eines gemeinsamen Handelskomitees beider Länder unterzeichnet. Der iranische Vize-Präsident Eshagh Dschahangiri, der ebenfalls auf der Pressekonferenz sprach, sagte, die Beziehungen zwischen dem Iran und der Türkei würden auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblicken. Dschahangiri bezeichnete den Besuch des türkischen Premierministers als Wendepunkt.

An den Gesprächen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen nahmen eine Reihe hochrangiger türkischer Politiker teil, so etwa Außenminister Ahmet Davutoğlu, Energieminister Taner Yıldız, der Minister für Aufschwung, Cevdet Yılmaz, der Minister für Kultur und Tourismus, Ömer Çelik, sowie Numan Kurtulmuş, Mitglied des Parteivorstands der regierenden „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (Adalet ve Kalkınma Partisi, kurz AKP) sowie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AKP, Ahmet Aydın.

Die Sprecherin des iranischen Außenministeriums, Marzieh Afkham, sagte Reportern in Teheran: „Unsere Beziehung zur Türkei hat eine neue Phase erreicht und wir hoffen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Neben dem Effekt, dass unser Dialog mit der Türkei den Interessen beider Länder nützt, hoffen wir auch, dass er genauso den regionalen Interessen nutzt. Als zwei Nachbarn und muslimische Nationen teilen die Türkei und der Iran viele Gemeinsamkeiten und (es existieren) viele Kooperationsmöglichkeiten.”

Türkei will mehr Öl und Gas aus dem Iran importieren

Internationale Beobachter messen der Annäherung der beiden Länder große Bedeutung zu. Der in Teheran ansässige politische Analyst Hossein Foroughi sagte gegenüber der türkischen Zeitung Today’s Zaman: „Bedenkt man, dass Erdoğan von seinem Wirtschafts- und Energieminister begleitet wird, so können wir sagen, dass dieser Besuch businessorientiert ist.”

Der türkische Premierminister hob gegenüber Pressevertretern hervor, er bewerte die Ergebnisse seines Iranbesuchs durchaus positiv. „Ich würde gerne gesondert auf die von uns unterschriebene Vereinbarung für den Bereich des sog. Vorzugshandels eingehen und diesbezüglich meiner Zufriedenheit Ausdruck verleihen”, sagte Erdoğan. „Es ist bekannt, dass wir aus dem Iran Rohöl und Gas importieren, also strategische Energieressourcen, und wir werden (zukünftig) in der Lage sein, das Volumen dieser Importe zu vergrößern.”

Der Iran rechne dem Bericht der Today’s Zaman zufolge für das Jahr 2015 mit einem Anstieg des Handelsvolumens auf 30 Milliarden Dollar.