Ermittlungen der italienischen Justiz gegen den Sohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sorgen für Verstimmung. „Wenn mein Sohn heute nach Italien zurückkehren würde, könnte er festgenommen werden“, zitierte Rainews24 Erdoğan am Dienstag. Das könne sogar die Beziehungen beider Länder gefährden. Italien möge sich lieber um die eigene Mafia kümmern, sagte Erdoğan. Zudem wiederholte er seine Enttäuschung darüber, dass aus Europa niemand in die Türkei sei, um seine Anteilnahme wegen der vielen Toten der Putschnacht auszudrücken.

Gegen Erdoğans Sohn wird in Bologna wegen möglicher Geldwäsche ermittelt. Bilal Erdoğan war Ende des vergangenen Sommers nach Bologna zurückgekehrt, um sein 2007 begonnenes Studium zu beenden. Im März hatte er Italien „aus Sicherheitsgründen“ verlassen, wie die Nachrichtenagentur Ansa schreibt.

Der 35-jährige ist das jüngste von vier Kindern des Präsidenten. Er hat Anteile in der Schifffahrtsbranche und ist im Ölgeschäft tätig. Erdoğans Anwalt teilte mit, sein Mandant habe erklärt, dass „all seine wirtschaftlichen und finanziellen Aktivitäten vollkommen transparent und legal sind und dass die Vorwürfe komplett unbegründet sind“.

Renzi antwortet via Twitter

Regierungschef Matteo Renzi wies derweil den Angriff zurück. „In unserem Land antworten die Richter auf Gesetze und die italienische Verfassung, und nicht auf den türkischen Präsidenten. Das nennt sich Rechtsstaat“, schrieb Renzi auf Twitter. Das Außenministerium in Rom ergänzte, Italien kämpfe erfolgreich gegen die Mafia.

Seit dem 15. Juli ist zu beobachten, dass Präsident Erdoğan innerhalb der Türkei die Versöhnung sucht, nach außen jedoch wieder stärker auf Konfrontationskurs geht. Besonders scharf attackierte er zuletzt die EU, Deutschland und die USA. Nun also Italien.

Die Aussöhnung mit Israel und Russland zu Beginn des vergangenen Monats deutet hingegen daraufhin, dass sich die Türkei in den nächsten Monaten womöglich noch stärker von der EU und der NATO abwenden wird.