Die Politik hat es sich zum Ziel gesetzt, die deutsche Volkswirtschaft langfristig zu einer Green Economy zu wandeln. Doch derzeit sehen wir einen massiven Abbau der Öko-Jobs. Insbesondere die Solarbranche knickt trotz Rekordförderung ein.

Die Entwicklung der Beschäftigungszahlen in den letzten Jahren in der Ökobranche der deutschen Wirtschaft schockiert Branchenvertreter, bestätigt die Kritiker und wirft für Beobachter große Fragen auf. Während es im Jahr 2011 nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) noch über 128 000 Beschäftigte in der Solarbranche gab, waren es im Jahr 2012 mit rund 100 000 Beschäftigten bereits über 20 Prozent weniger. Noch deutlicher war der Rückgang im letzten Jahr: Ende 2013 waren nur noch 60 000 Beschäftigte in der Solarbranche tätig. Begleitet wird der Beschäftigungsabbau durch sehr schmerzhafte Insolvenzen von wichtigen Branchen-Unternehmen wie Solon (November 2011), Q-Cells (April 2012), Centrotherm (Juli 2012) oder Sunways (Mai 2013).

Nachdem die Solarbranche noch vor einigen Jahren einen kometenhaften Aufstieg erlebt hatte und Synonym für die Zukunft der deutschen Energiewende stand, sieht es aktuell rund um Erneuerbare Energien eher düster aus. Von der Euphorie, die Firmen wie Solon, Conergy, Solarworld oder Q-Cells begleiteten, ist nichts mehr zu spüren.

 Anspruch vs. Realität

Die Solarindustrie liegt wirtschaftlich am Boden. Sogar Marktführer Solarworld schrammte nur knapp an der Pleite vorbei. Jetzt übernimmt Solarworld Teile von Bosch Solar in Thüringen. 800 Beschäftigte haben vorerst wieder einen Job. Doch positiv kann das keinen mehr stimmen.

Verantwortlich für den Rückgang wird die harte internationale Konkurrenz gemacht. In Folge des massiven Produktionsausbaus von Erneuerbaren Energien in China, kam es zu einem rasanten Preisverfall in der Branche. Viele deutsche Hersteller können da nicht mehr mitgehen. Im Gegensatz zu den Deutschen kann die chinesische Konkurrenz, die durch staatliche Subventionen stark gestützt wird, zum Teil Produkte unter Herstellungskosten anbieten und den Wettbewerb mit den ehemaligen Vorreitern aus Deutschland dominieren.

Die deutsche Ökobranche bricht folglich ein. Viele Geschäftsniederlegungen sind aber auch das Resultat hoher Vergütungseinschnitte in den letzten eineinhalb Jahren. Die Preise fertiger Solarsysteme sind seit 2012 um 25 Prozent gesenkt worden und die Vergütung dieser gleichzeitig um über 50 Prozent.

Der massive Abbau von Arbeitsplätzen steht in Deutschland dem Konzept der Green Economy allerdings entgegen. Die so genannte Green Economy steht im engen Zusammenhang mit einem Transformationsprozess der deutschen Wirtschaft. Wesentliche Elemente sind das neue Energiekonzept der Bundesregierung und die Energiewende, die vorsieht, dass die Energieversorgung in Deutschland bis 2050 überwiegend durch erneuerbare Energien gewährleistet werden soll. Eng verknüpft mit dem Wandel hin zu einer Green Economy sind Implikationen für den Arbeitsmarkt. Mit der Transformation des Wirtschaftens wird ganz explizit auch das Ziel verfolgt, Arbeitsplätze in Deutschland nicht nur zu sichern, sondern auch zusätzliche Green Jobs zu schaffen.

Energiewende zementiert Abhängigkeit von Russland

Mit der geplanten Reform der Ökostromförderung wird der Niedergang der Zukunftsbranche, und das trotz Öko-Postulat, zementiert werden. Die Bundesregierung will ihren Gesetzesentwurf für das neue EEG am 8. April beschließen. Die Unternehmen müssten mit einem erneuten Umsatzrückgang rechnen. Eine Umfrage des Bundesverbandes der Solarwirtschaft (BSW) bestätigt die Befürchtungen der Solarfirmen vor einem weiteren Exodus. 80 Prozent der befragten Firmen gehen davon aus, dass dies auch den Verlust von Jobs nach sich ziehen wird. Wird künftig auch für den produzierten Strom aus Solaranlagen eine EEG-Umlage kassiert, so fällt einer der wichtigsten Anreize für den Bau von Anlagen weg. Die Sonnenenergie deckt bereits fast fünf Prozent des deutschen Strombedarfs, an sonnigen Tagen deckt sie sogar 20 Prozent ab.

Förderkürzungen, EEG-Reform und die starke Konkurrenz aus China, drücken auf die Leistungsfähigkeit deutscher Hersteller. Der Niedergang dieser Schlüsselindustrie ist nur noch eine Frage der Zeit, wenn sich die Bundesregierung nicht aktiv für diese einsetzt. Angesichts der Konsequenzen aus der Krim-Krise und den damit einhergehenden energiepolitischen Fragen in Bezug auf russische Energielieferungen, sollte eine zumindest aus sicherheitspolitischen Aspekten geförderte unabhängige Energieversorgung Deutschlands in Aussicht gestellt werden. Im Lichte dieser geostrategischen Fragestellungen und der Wirtschaftlichkeit der Ökobranche muss Energie- und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Kompromiss finden. Denn das die Ökobranche auch nur langfristig gesehen russisches Erdgas ersetzen kann, erscheint gelinde gesagt höchst fraglich.

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