ARCHIV: 13.02.2018, Türkei, Ort unbekannt: Türkische Gendarmerieoffiziere und Mitarbeiter der türkischen Notfall- und Katastrophenbehörde tragen am Ufer des Grenzflusses Meric an der griechischen Grenze die Leiches eines Kindes an Land. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur haben Rettungskräfte auf der Suche nach Überlebenden eines Schiffsunglücks auf dem Fluss zwei Kinderleichen entdeckt. Bis zu zehn Menschen, darunter Frauen und Kinder, die versucht haben mit dem Boot nach Griechenland überzusetzen werden noch vermisst. Foto: Ergin Yildiz/AP/dpa
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Flüchtlingsdrama in der Ägäis: Beim Übersetzen aus der Türkei nach Griechenland ging ein Holzboot unter. Mehrere Menschen kamen ums Leben. Darunter auch Kinder.

Beim ersten großen Flüchtlingsunglück in der Ägäis seit Jahresbeginn sind mindestens 16 Migranten ertrunken. Nach dem Kentern eines Holzbootes konnten nur drei der Menschen an Bord das Ufer der Insel Agathonisi erreichen und die Behörden alarmieren. «Wir haben die Suche nach Überlebenden am Samstagabend bis zum letzten Tageslicht fortgesetzt. Kein Ergebnis», sagte ein Offizier der griechischen Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Es gab unterschiedliche Angaben der Überlebenden über die Zahl der Migranten, die an Bord waren. Sie berichteten von 20 bis 22 Menschen, hieß es.

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Unter den Opfern waren nach Angaben der Küstenwache sechs Minderjährige und ein Neugeborenes. Der griechische Migrationsminister Dimitris Vitsas machte Schleuser für das Unglück verantwortlich. Das Boot war von der Türkei aus gestartet.

Das Holzboot der Migranten, «ein morscher Kahn», wie der Offizier der Küstenwache sagte, sei bei mittelstarkem Seegang gekentert und wenige hundert Meter vor der griechischen Insel untergegangen. «Es war schlimm. Ich habe eine Leiche gesichtet. Als ich sie barg, stellte ich fest, es war eine schwangere Frau», sagte ein Fischer auf der Insel Reportern vor Ort.

Erst im Februar kamen mindestens drei Menschen, darunter zwei Kinder auf dem türkisch-griechischen Grenzfluss Evros ums Leben. 

2015 waren 799 Migranten auf der Ägais gestorben

Es waren nach offiziellen Angaben die ersten Migranten, die dieses Jahr in der Ägäis ums Leben kamen. 2017 starben dort nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) 54, 2016 hatten 441 und auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 insgesamt 799 Menschen dort ihr Leben verlor.

Trotz des Flüchtlingspaktes der EU mit der Türkei und einer weitgehenden Schließung der sogenannten Balkanroute setzen wöchentlich gut 300 Migranten aus der Türkei zu den griechischen Inseln im Osten der Ägäis über. In den Flüchtlingslagern der Ägäis harren zurzeit knapp 13 500 Migranten und Flüchtlinge aus. Der EU-Flüchtlingspakt sieht vor, dass sie alle in die Türkei zurückgeschickt werden können, wenn sie in Griechenland kein Asyl erhalten. Die Menschen hoffen – wenn sie kein Asyl bekommen – irgendwie von den griechischen Inseln zum griechischen Festland überzusetzen, um danach ihre Reise fortzusetzen.

Bei Verfolgung eines Schleuserautos: Zwei Migranten gestorben

Auch auf dem Landweg versuchen Migranten aus der Türkei nach Griechenland zu kommen und danach weiter nach Mitteleuropa. Bei einer Verfolgungsjagd eines Schleuserautos auf einer Autobahn in Nordgriechenland sind am Samstag zwei Migranten ums Leben gekommen, teilte die Polizei mit. Sieben andere Migranten wurden leicht verletzt. Ein Schleuser versuchte, sie von der griechisch-türkischen Grenze mit einem Minibus nach Westgriechenland zu bringen. Als die Polizei den Fahrer aufforderten zu stoppen, habe er beschleunigt und sei nach einer kurzen Verfolgung in einen Straßengraben gefahren.

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dpa/dtj
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