Aufgrund der Repressionen der AKP-Regierung gegen die Hizmet-Bewegung kann die türkische Sprach- und Kulturolympiade erneut nicht in der Türkei durchgeführt werden. Eine „Schande“, wie das US-Kongressmitglied Pascrall sagt
Aufgrund der Repressionen der AKP-Regierung gegen die Hizmet-Bewegung kann die türkische Sprach- und Kulturolympiade erneut nicht in der Türkei durchgeführt werden. Eine „Schande“, wie das US-Kongressmitglied Pascrall sagt.

„Ich fühle mich geehrt, bei einem solchen Programm mitwirken zu dürfen“, sagte Joel McHale, „dies ist die kulturreichste Veranstaltung das nach Disneyland besucht habe. Es ist einfach fantastisch. Die Kinder waren hervorragend.“

McHale spricht über die Sprach- und Kulturolympiade, die er am Wochenende in Washington moderiert hat. Das Motto: „Beautiful Colours oft the World“. Vor zahlreichen Prominenten aus Politik, Gesellschaft und Sport führten 2500 Kinder aus 150 Nationen in den Kategorien Gesang, Gedicht, Kultureller Volkstanz und Theater ihre Darbietungen vor. Dabei spiegelten die Kinder die Kultur ihres eigenen Landes wider.

Aufgrund der Repressionen der AKP-Regierung gegen die Hizmet-Bewegung kann die Olympiade in diesem Jahr zum wiederholten Male nicht in der Türkei stattfinden. Die Bewegung, die von Fethullah Gülen inspiriert ist, gilt als Erfinder der Veranstaltung. Gülen wurde von Präsident Recep Tayyip Erdoğan zum Erz- und Staatsfeind ausgerufen, dessen Anhänger sind ihm zufolge „Landesverräter“. Zuletzt sagte der türkische Präsident in Bezug auf die Anhänger: „Entweder akzeptieren sie diesen Staat, oder sie werden aufhören zu existieren.“ In der Türkei findet aktuell eine Diskussion darüber statt, ob die Äußerungen Erdoğans den Tatbestand eines Völkermordes erfüllen und er deswegen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt werden könnte.

Ins Leben gerufen wurde die Sprach- und Kulturolympiade 2003. Sie findet jährlich statt. Mittlerweile bereiten sich insgesamt 15 000 Schülerinnen und Schüler für die Teilnahme vor. Nach einer Vorauswahl in der Schulklasse und der Schule finden landesweite Wettbewerbe statt, um am Weltfinale der Sprach- und Kulturolympiade teilnehmen zu können. Dieses fand in der Regel in der Türkei statt. Seit letztem Jahr ist dies nicht mehr möglich.

Wettbewerb im Hinter-, Unterhaltung im Vordergrund

Umso mehr ist das Format, das aufgrund der politischen Lage in der Türkei seinen Wettbewerbscharakter etwas zurückgestellt hat, nun in anderen Ländern gefragt. Ziel der Olympiade ist es, ein Zeichen für die Völkerverständigung zu setzen, eine Harmonie für das Zusammenleben zu finden und gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz zu entwickeln und auch andere Kulturen kennenzulernen.

„Welch ein Glück für diejenigen, die kommende Generationen mit Liebe erziehen können“, ließ Gülen in Washington in einer Botschaft mitteilen. Liebe sei die einzige Möglichkeit, um in dieser „verschmutzten Welt“ sich vor dem Schmutz zu schützen und rein zu bleiben. Es gebe kein Volk auf dieser Welt, in der die Liebe nicht das wertvollste Gut sei. Ferner würden die Schüler aus aller Welt mit ihrer Aktion eine Botschaft an ihre Mitmenschen übermitteln versenden, in der Vielfalt nicht als Hindernis, sondern als Reichtum gekennzeichnet sei. Auch würde die Sprach- und Kulturolympiade die Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder weiterentwickeln und der Zauber der Gedichte, die Magie der Texte und die universelle Sprache der Musik würden ihren Dienst am Weltfrieden leisten, betonte Gülen.

Eindrücke von der Veranstaltung

US-Kongressmitglieder wie auch illustre Namen aus Gesellschaft und Sport zeigten sich im Anschluss von der Veranstaltung angetan.

An der Veranstaltung nahmen fünf Kongressmitglieder teil. Einer von ihnen war Bill Pascrell, der sich höchst erfreut über die Sprach- und Kulturolympiade zeigte: „Ich bedanke mich bei den Veranstaltern. Ich weiß, warum die Sprach- und Kulturolympiade nicht in der Türkei ausgeführt werden darf. Tatsache ist, dass es eine Schande ist, solch eine Veranstaltung nicht in der Türkei ausführen zu können. Wir aber begrüßen in den USA den Dialog zwischen den Kulturen und die Multikulturalität.“

Der türkische NBA-Star Enes Kanter, Spieler der Oklahoma City Thunder, war ebenfalls auf der Veranstaltung zugegen, zum ersten Mal, wie er betonte. „Das Vorgehen gegen die Hizmet-Bewegung in der Türkei ist sehr traurig. Die Türkei ist unser Land und diese Kinder nicht in die Türkei bringen zu können, ist sehr traurig. Aber das Schöne an der ganzen Sache ist, das sich die Olympiade nun der Welt öffnet“, so Kanter.

Auch der ehemalige Schwergewichtsboxweltmeister Mike Tyson fand über Twitter positive Worte für das Event.