MEINUNG Gesetze sind dazu da, um den Alltag zu regeln. Gesetze müssen sich aber auch an den gegebenen Umständen orientieren.

Seit der Gründung der türkischen Republik ist in der Türkei wie in allen christlich geprägten Ländern Europas der Sonntag der wöchentliche Feiertag. Das Problem: Die Türkei ist nicht christlich geprägt. Und bei allem Respekt für Mustafa Kemal Atatürk und seine historischen Leistungen. In seinem Reformwahn hat er in diesem Fall – und nicht nur hier – vergessen, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen.

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass in öffentlichen Einrichtungen Tätige in der Türkei an Freitagen die Möglichkeit bekommen sollen, am für Muslime obligatorischen Freitagsgebet teilzunehmen, ohne dass die Arbeitszeit darunter leidet. Nun wurde bekannt, dass diese Regelung auch für Schulen gelten soll.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich freitags in die Fahrradpedalen trat, um es nach Schulaus zur Moschee zum Freitagsgebet zu schaffen. Meist gelang es mir, hin und wieder aber auch nicht, vor allem im Winter, wenn das Gebet schon um 12:30 stattfand und die Schule bis 13 Uhr ging. Das war aber in Soest, nicht in der Türkei.

Ich frage mich, wann der Freitag in der Türkei endlich zum wöchentlichen Feier- und Ruhetag wird. Diese oben genannten Verordnungen (es sind keine Gesetze!) beweisen doch nur, dass hier Handlungsbedarf besteht. Die AKP, die sich als eine islamisch-konservative Partei ausgibt, sollte doch in der Lage sein, dies anzugehen. Laizismus hin oder her, die Türkei ist ein muslimisches Land, und im Islam ist der Feiertag der Freitag. Dies anzupassen bedeutet nicht, dass man das Land islamisiert. Es wäre nur pragmatisch – und längst überfällig.