Ein EU-Mitarbeiter wurde im Kosovo erschossen. Vor der Kommunalwahl wachsen die Spannungen zwischen der serbischen Minderheit und der albanischen Mehrheit.

Schock und Abscheu in Belgrad, Priština und Brüssel: Bei einem Anschlag auf zwei Fahrzeuge der EU-Rechtsstaatsmission (EULEX) in Nordkosovo ist am Donnerstag ein aus Litauen stammender Zöllner (35) ums Leben gekommen. Wenigstens ein weiterer tschechischer Soldat wurde verletzt, als Unbekannte in der serbischen Gemeinde Zvečan auf insgesamt sechs EULEX-Mitarbeiter das Feuer eröffneten. EULEX leitete – unterstützt von der internationalen NATO-Schutztruppe KFOR – eine Großfahndung nach den Angreifern ein. Sie blieb zunächst jedoch ohne Ergebnis.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sowie Priština und Belgrad zeigten sich erschüttert. Die Tat sei „extremistischer Wahnsinn”, sagte Serbiens Regierungschef Ivica Dačić. „Die das getan haben, sind Feinde Serbiens. Das waren nicht nur Schüsse auf EULEX, sondern auf die Zukunft Serbiens und seiner Bürger”, verwies er auf befürchtete Folgen der Gewalt. „Dieser Angriff ist ein Angriff auf die Werte der EU”, zeigte sich deren Kosovo-Vertreter Samuel Zbogar geschockt. Die größte EU-Mission kümmert sich im Kosovo um den Aufbau der Polizei, des Zolls, der Justiz, der Behörden und damit der Grundlagen eines demokratischen Staates.

„Die Täter sind die größten Gegner Serbiens, die Gewalt auslösen wollen, um zu verhindern, dass die Serben an der Kommunalwahl (vom 3. November) teilnehmen”, beschrieb der serbische Kosovo-Minister Aleksandar Vulin die möglichen Ziele der Attentäter. Die EU sei dennoch entschlossen, „das Engagement im Kosovo fortzusetzen und die Arbeit in dem von der EU herbeigeführten Dialog (zwischen Serbien und dem Kosovo) voranzubringen”, zeigte sich die EU-Außenpolitikerin Ashton unbeirrt.

Die Kommunalwahl ist das Kernstück der EU-Vermittlung zwischen der serbischen Minderheit und der albanischen Mehrheit im Kosovo. Mit dieser Abstimmung soll sich die Minderheit, die bisher unter dem Einfluss Belgrads und nicht Prištinas stand, in den Kosovo-Staat eingliedern. Im Gegenzug soll sie eine weit gefasste Selbstverwaltung erhalten. Führende Kosovo-Serben hatten ihre Landsleute zum Boykott der Wahl aufgerufen, weil sie weiter zu Serbien gehören wollen. Die frühere serbische Provinz Kosovo hatte sich vor fünfeinhalb Jahren für unabhängig erklärt und ist seitdem von mehr als 100 Staaten anerkannt worden.