Der holländische Fotograf Erwin Olaf stellt sein Design für die neue Euro-Münze der Niederlande mit dem Gesicht von König Willem-Alexander im Finanzministerium in Den Haag am 31. Oktober 2013 vor.

Eurokrise. Da war doch was… Monatelang beherrschte die Krise des Euro die Schlagzeilen und auch das Aus für die Gemeinschaftswährung wurde heftig diskutiert, auch und vor allem in Deutschland, wo immer noch die „gute alte D-Mark“ in den Köpfen vieler existiert.

Sie rechnen doch bestimmt auch manchmal einen Euro-Preis in DM um und stellen dann erstaunt fest, wie „teuer“ doch alles geworden ist. Aber wo ist die Eurokrise heute hin? Die Schuldenberge sind zwar noch da, aber Auswirkungen haben sie offensichtlich keine mehr. Nicht mal an den Märkten, die doch immer so „nervös“ sind und trotzdem mittlerweile von Rekord zu Rekord eilen.

Noch vor wenigen Wochen, direkt vor der Entscheidung über die Zusammensetzung des neuen Bundestags, wurde über den Euro und seine Zukunft vor allem in Deutschland heftig diskutiert. Euro-Gegner wollten in den Bundestag und hätten es auch fast geschafft. Verschiedene Wirtschaftsexperten redeten den Untergang der deutschen Sozialsysteme herbei, andere verkündeten, die neue Bundesregierung werde nach der Wahl die unangenehmen Wahrheiten über den Euro bekanntgeben.

Die ersten Krisenländer verlassen den Krisenfonds

All das ist nicht eingetreten. Und wird es auch nicht. Ganz im Gegenteil. Die Zahlen und Meldungen aus den Euro-Krisenländern sind zwar immer noch dramatisch, sie verbessern sich aber von Monat zu Monat. Griechenland schafft inzwischen ein Plus im Haushalt, trotz drastischer Einsparungen und den damit einhergehenden Folgen für öffentliche Bedienstete, Wirtschaft und Gesellschaft. Irland hat kürzlich sogar den Euro-Krisenfonds verlassen und verkündete selbstbewusst, dorthin auch nicht wieder zurückkehren zu wollen. Spanien und Portugal kämpfen noch, aber auch dort greifen die Krisenmaßnahmen mittlerweile ganz deutlich, wenn auch mit harten Einschnitten für die Bevölkerung.

Und selbst wenn Griechenland oder Spanien oder Portugal oder Zypern noch einmal Hilfen brauchen sollten (und sicherlich tun sie das auch): An den Finanzmärkten sind diese neuen Pakete längst eingepreist. Allen Teilnehmern an diesem Spiel ist von Anfang an klar gewesen, dass es mit einem oder zwei Hilfspaketen nicht getan sein wird. Man wird mehrere Programme auflegen müssen, bis sich die Lage stabilisiert.

Im Fall Zyperns oder Griechenlands verschärft sich die Situation wenigstens nicht mehr – auch das ist ein positives Zeichen, die Talsohle ist erreicht. Auch Spanien, das Land mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit, kommt langsam wieder auf die Beine. Proteste in den von der Krise geschüttelten Ländern bleiben inzwischen aus oder finden auf Sparflamme statt. Vielleicht auch deshalb, weil es in der Bevölkerung die Einsicht gibt, dass nur durch Hilfe von außen und ohne eigene Anstrengungen die ganzen Probleme nicht mehr zu lösen sind. Es ist eben manchmal doch sinnvoller, sich ein faulendes Bein amputieren zu lassen, damit der Rest des Körpers überleben kann.

Und Deutschland? In der deutschen Wirtschaft hat sich die Eurokrise relativ kurz ausgewirkt – durch einen Einbruch beim Wachstum. Die Exportwirtschaft hatte tatsächlich Probleme, das Bruttoinlandsprodukt schrammte an der Null-Prozent-Marke entlang. Doch auch hier zeigen die aktuellen Werte und auch die Prognosen wieder ganz deutlich nach oben. Auch, weil die Unternehmen selbst die Aussichten für die Eurozone nicht mehr so schlecht sehen wie sie sie noch vor einigen Monaten befürchtet hatten.

Politik der „ruhigen Hand“

Die Exportbranche kann also aufatmen und die Binnenkonjunktur läuft ja sowieso schon länger besser als von vielen erwartet. Die Deutschen geben Geld aus, auch weil sie zum Beispiel für Tagesgeld nicht einmal jenen Prozentsatz an Zinsen bekommen, der die Inflationsrate erreichen würde.

Die Indizes in Deutschland strotzen vor Optimismus. GfK-Konsumklimaindex, ifo-Geschäftsklimaindex – alle diese Indikatoren haben sich in den vergangenen Monaten erhöht, trotz der schlechten Euro-Stimmung, die manche politische Gruppierung angefacht hat. Nur wenige glauben offensichtlich, dass der Euro und seine Schwierigkeiten Deutschland in den Abgrund reißen können – trotz der Milliardenhilfen und deren Unwägbarkeiten.

Die Bundestagswahl hat es gezeigt: Die Wähler haben die Partei gewählt, die ihrer Ansicht nach Weitsicht bewiesen hat in der Eurokrise. Die „ruhige Hand“, mit der Kanzlerin Merkel nach eigener Aussage regiert hat, bringt den Erfolg. Der Preis war hoch genug. Die Hitler-Vergleiche mit Merkel in Griechenland waren der Gipfel der Protestwelle. Nun sind die Früchte dieser ruhigen Hand und der besonnenen Reaktion auf die Anfeindungen durch die Bevölkerung in den Krisenländern sichtbar.

Auch für die deutschen Banken hat sich die Lage verbessert – sie müssen nicht mehr damit rechnen, noch mehr Unsummen in den Krisenländern zu verlieren, der Erdrutsch ist gestoppt. Die deutsche Politik kann sich angesichts der Entwicklung zwar nicht zurücklehnen, aber doch etwas entspannter in die kommenden Monate blicken. Die Milliardengarantien für marode Banken und die Krisenländer werden trotz aller optimistischen Entwicklung noch für sehr lange Zeit auf den Vertragspapieren stehen bleiben.

All das sind aber gute Nachrichten für Deutschland und seine Euro-Partner – denn der Staat ist praktisch der Hauptgläubiger und Haupthaftende der Euro-Krisenländer, vor allem über die Euro-Krisenhilfsmittel ESM und EFSF. Und trotzdem: Es sind in den allermeisten Fällen nur Hilfszusagen. Garantien, die zum großen Teil noch nicht in Anspruch genommen worden sind. Es ist noch kein tatsächliches Geld geflossen. Und damit sind es noch keine Ausgaben, sondern lediglich buchhalterische Risiken.

Hoffentlich eine heilsame Lehre

Natürlich könnte es sein, dass es letztendlich für Deutschland besser gewesen wäre, doch die „gute alte D-Mark“ behalten zu haben und niemals der Euro-Zone beigetreten zu sein. Oder wenn Griechenland oder andere Krisenstaaten aus dem Euro hätten austreten können. Aber, wie der SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück so schön sagte: „Hätte, hätte, Fahrradkette“. Ausstiegsoptionen standen nun mal nicht zur Verfügung und der Euro ist mittlerweile schon seit langer Zeit Währung in Deutschland. Wir können nicht mehr zurück. Stattdessen hat Deutschland, trotz aller vorherigen Ankündigungen und Vorbehalte, den Bruch der Euro- und EU-Verträge mit vorbereitet und dem Ganzen zugestimmt.

Im Nachhinein muss man (leider) sagen: Es war offensichtlich die richtige Entscheidung. Wie heißt das schöne Sprichwort? -„Regeln sind da, um gebrochen zu werden“. In der Eurokrise hat es geholfen. Zur Regel darf der Regelbruch aber nicht werden.