Trabzon behielt im Duell mit Lazio Rom die Oberhand.

Bereits vor der gestrigen Partie hatte Trabzonspor das Sechzehntelfinal-Ticket der Europa League in der Tasche. Im abschließenden Duell der Gruppenphase gegen Lazio Rom stand nur noch der Gruppensieg auf dem Spiel. Der sechsmalige türkische Meister musste lediglich seinen Zwei-Punkte-Vorsprung auf den italienischen Vertreter verteidigen, um als Primus der Gruppe J in die nächste Runde einzuziehen. Dazu genügte den Ballkünstlern vom Schwarzen Meer ein torloses Unentschieden. Mit dem 0:0 im altehrwürdigen Stadio Olimpico schrieb Trabzonspor sogar Geschichte. Denn die Mannschaft von Trainer Mustafa Akçay ist das erste türkische Team, dass in der Gruppenphase eines Europapokals ungeschlagen blieb. Als Belohnung kann Trabzon nun den anderen Gruppensiegern des laufenden Wettbewerbs aus dem Weg gehen. Nur unter den Champions League-Absteigern befinden sich die richtig harten Brocken.

Das Spielgeschehen spielte sich am Vorabend zumeist im Mittelfeld ab. Beide Mannschaften standen kompakt und gingen kein Risiko ein. In einem eher ereignisarmen Spiel hatten die Gastgeber jedoch die zwingenderen Chancen und waren dem Sieg näher als Trabzonspor, die besonders kurz vor der Halbzeitpause viel Mühe mit Lazio hatten. Lazio vergab in dieser Phase seine größten Chancen. Die Italiener wären beinahe auf spektakuläre Weise durch Ederson in Führung gegangen, doch der Fallrückzieher des Brasilianers landete neben dem Pfosten im Aus (43.). Genauso knapp verpassten auch Sergio Floccari und Felipe Anderson das Tor von Onur Kıvrak, der dann in der zweiten Hälfte kaum mehr geprüft wurde. Für die Gäste tauchten Florent Malouda, Paulo Henrique und Olcan Adın vor dem gegnerischen Tor auf, deren Abschlüsse jedoch Lazio-Schlussmann Etrit Berisha – die etatmäßige Nummer zwei hinter Stammtorwart Federico Marchetti – keine Probleme bereiteten.

Die Europa League hat einen anderen Stellenwert

In Trabzon hat der Erfolg vor allem einen Namen: Mustafa Akçay. Der Trainer mit dem Spitznamen „Philosoph“ trainiert seit dieser Saison erstmals einen Erstligaklub. Hier feierte er auch seinen persönlichen Europapokal-Einstand und behielt bisher sogar eine weiße Weste. In den zwölf Europapokal-Auftritten fuhr Akçay mit Trabzonspor neun Siege und drei Remis ein. Eine Bilanz, mit der man am Schwarzen Meer zufrieden sein kann. Der Macher des Erfolgs erklärte nach dem Abpfiff gegenüber „NTVSpor“, dass die Europa League für die Mannschaft einen anderen Stellenwert habe. „Natürlich sind Spiele der Europa League mit einer höheren Konzentration verbunden. Das ist normal, weil auch das Niveau hier sehr hoch ist. Der ganze Verein ist mit einer großen Vorfreude diesen Wettbewerb angegangen. Wir wollten hier unbedingt dabei sein und das spiegelt sich in unserer Leistung wieder“, begründete Akçay das gute Abschneiden in Europa.

„Mindestens ins Halbfinale“

Der Trainer wurde durch seinen Torwart Onur Kıvrak, der große Ziele vor Augen hat, bestätigt: „Uns liegt die Europa League mehr, weil wir hier befreiter aufspielen. Wie man sieht, sind wir eine gute Mannschaft. Wir wollten unserem Vereinsnamen mit dem Gruppensieg alle Ehre machen und freuen uns, dass dies uns gelungen ist. Bereits nach der Gruppenauslosung hatten wir uns große Ziele gesteckt. Nach wie vor wollen wir zumindest in das Halbfinale einziehen, wenn nicht sogar ins Finale. Wir sind stark genug, um diese Ziele zu verwirklichen.“ Bis dorthin müsste Trabzonspor sicherlich die eine oder andere europäische Größe aus dem Weg räumen. Durch den Gruppensieg hat man sich jedoch den Vorteil gesichert, im Sechzehntelfinale auf einen Gruppenzweiten zu treffen. Neben Anzhi Machatschkala, Real Betis Sevilla, FC Chornomorets Odessa, FC Dnipro, Dynamo Kiew, Esbjerg, Maccabi Tel-Aviv, NK Maribor, PAOK Saloniki, Slovan Liberec und Swansea City sind jedoch auch die Champions League-Absteiger Juventus Turin, FC Porto, Ajax Amsterdam und Viktoria Pilsen im relevanten Lostopf. Besonders Juventus, das in der Gruppe B an Galatasaray Istanbul scheiterte, Porto und Ajax sollte man wenigstens in der nächsten Runde aus dem Weg gehen, um gute Chancen auf das Achtelfinale zu haben.