- Anzeige -

Der französische Terrorexperte David Thomson rechnet in den kommenden Jahren mit einer steigenden Anschlagsgefahr in Europa. In Frankreich werde schätzungsweise die Hälfte der inhaftierten Terroristen bis 2020 wieder entlassen werden, sagte er der „Welt“ (Donnerstag). Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) operiere „mit viel Geduld und auf lange Sicht“, insbesondere in Gefängnissen. Zugleich neigten die Anhänger „in der Einsamkeit der Haft“ dazu, „noch fester an ihrer Ideologie und ihren terroristischen Absichten festzuhalten“.

Der IS sei keinesfalls verschwunden, so der Buchautor, der mehrere Syrien-Rückkehrer porträtiert hat. „Der IS hat nur seine ursprüngliche Form wieder angenommen und zwar die einer Terrorbewegung im Untergrund.“ Die Zeit der „Euphorie für die Dschihadisten“ sei vorbei, doch die Organisation habe „die terroristische Programmierung in den Köpfen einer beispiellosen Anzahl junger Franzosen hinterlassen“.

- Anzeige -

Von Programmen zur Deradikalisierung verspricht sich Thomson, der inzwischen unter Polizeischutz in den USA lebt, nicht viel. „Eine vom Staat organisierte Entradikalisierung gibt es nicht.“ Die meisten Rückkehrer seien zwar enttäuscht, aber weiterhin von der Ideologie überzeugt. Ein Problem sei, dass die Rolle von Frauen aufgrund von „verzerrten Ansichten“ lange unterschätzt worden sei. „Es gibt keinerlei Unterschied zwischen einem Mann und einer Frau, was den Dschihadismus betrifft, sie sind beide gleich entschlossen und gefährlich.“

KNA/pko

- Anzeige -