Extremismus-Experten warnen angesichts mancher Ängste vor dem Islam vor einer Spaltung der Gesellschaft. Terror habe nichts mit dem Islam zu tun, sondern sei Kriminalität, erklärte der Präventionsexperte des Bundeskriminalamts Baden-Württemberg, Frank Buchheit, am Montag in Bad Boll. Es müsse stärker zwischen Muslimen und Islamisten unterschieden werden, um Religion und Terrorismus zu trennen.

Zugleich brauche es jedoch bessere Vorbeugemaßnahmen vor Extremismus, so Buchheit. Besonders „religiöse Analphabeten“ schließen sich nach seiner Auffassung dem Salafismus an. Ein guter Ansatz sei der Ausbau des islamischen Religionsunterrichts in Deutschland.

Die Salafismus-Expertin Claudia Dantschke vom Berliner Zentrum Demokratische Kultur verwies darauf, dass es derzeit rund 1.100 militante Salafisten in Deutschland gebe. Bundesweit lebten jedoch rund 4,6 Millionen Muslime, also rund fünf Prozent der Gesamtbevölkerung.

Auch bei der Radikalisierung müsse unterschieden werden, so Dantschke. „Es radikalisieren sich Jugendliche.“ Es gebe eine radikale Jugendkultur als Teil und Produkt der westlichen Popkultur, den sogenannten Pop-Dschihad. Darin gehe es kaum noch um Religion, sondern vor allem um Männlichkeit und Gruppenzugehörigkeit.

Dantschke und Buchheit äußerten sich auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll zum Thema „Junge Muslime zwischen Extremismus und Dialog“.