Finanzpolitik: Die Europäische Zentralbank reagiert mit einmaligen Maßnahmen, um den Euro zu schwächen. Das hat auch Auswirkungen auf wie die Türkei.

Die Europäischen Notenbanker konnten gar nicht mehr anders. Schon in den vergangenen Tagen und Wochen hatten EZB-Chef Mario Draghi und weitere Entscheider unkonventionelle Maßnahmen angedeutet. Die Märkte waren wie elektrisiert, die Erwartungen hoch. Und nun setzte sie die angekündigten Maßnahmen um: der Leitzins wird auf das historische Tief von 0,15% gesenkt, wie die EZB am Donnerstagmittag in Frankfurt mitteilte. Dieser Zins legt den Satz fest, zudem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen können. Zudem bestraft die EZB all jene Banken, die ihr Geld kurzfristig bei der Notenbank parken. Dieser Zins sinkt von bisher Null auf -0,15%. Damit kostet es die Banken künftig Geld, wenn sie dieses Instrument nutzen. Darüber hinaus wurden zusätzliche Kreditspritzen für Banken angekündigt.

Schuldenabbau und Konjunkturankurbelung

Diese Maßnahmen sollen die niedrige Inflation in der Eurozone bekämpfen. Die meisten Mitgliedsländer der Gemeinschaftswährung sind so hoch verschuldet, dass nur eine hohe Inflation zu einem indirekten Abbau dieser Verbindlichkeiten führen kann. Die Schulden sind bei einer höheren Teuerungsrate schlicht weniger wert. Davon sind viele Zentralbanker, aber auch Ökonomen wie der amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman überzeugt.

Sie und andere drängen schon seit Jahren die europäische Politik dazu, eingeleitete Sparprogramme abzubrechen und massiv die Wirtschaft anzukurbeln. Nun soll das über die EZB geschehen. Denn mit den niedrigen Zinsen erhofft man sich auch eine Verbesserung der Lage in vielen kriselnden Staaten. Dabei geht es schon lange nicht mehr alleine um die Länder am Mittelmeer. Auch Frankreichs Wirtschaft gilt gemeinhin als Krisenfall, dem man auf die Beine helfen muss. Den Titel „kranker Mann Europas“ hatte die internationale Wirtschaftspresse schon 2013 an Paris verliehen.

 Rennen um schwache Währungen geht in nächste Runde

Nicht zuletzt will die Europäische Zentralbank mit diesen Schritten auch die Exporte ihrer Mitgliedsländer über einen schwachen Euro ankurbeln. Denn wenn die Zinsen in Euroland sinken, steigen die Anreize, den Euro zu verkaufen und Währungen zu kaufen, die höhere Zinsen bieten. Damit blickt man vor allem auf die geschätzten 800 Mrd. US-Dollar an Kapital, die derzeit weltweit in Geldmarktfonds geparkt sind. Sinkt der Wert des Euro, verbilligen sich die Waren der hiesigen Unternehmen auf dem Weltmarkt und werden konkurrenzfähiger.

So heizt die EZB aber auch das globale Wettrennen auf den Devisenmärkten zwischen den USA, Japan und Europa an. Die traditionellen Industrienationen setzen inzwischen alle auf eine eigene schwache Währung, um Schulden über Inflation zu bekämpfen und gleichzeitig die eigenen Exportwaren auf dem Weltmarkt zu verbilligen. Eingeleitet hatte dieses „Wettrüsten“ US-Präsident Barack Obama, der versprochen hatte, die Exporte seines Landes binnen fünf Jahren zu verdoppeln. Das war vor zwei Jahren. Geschehen ist bisher wenig.

Aktien und Immobilien profitieren

Die Schritte der EZB dürften sich aber auch auf die Preise von Sachwerten, wie Aktien und Immobilien auswirken. Der Deutsche Aktienindex DAX schoss nach der Entscheidung der Notenbanker erstmals über die runde Marke von 10.000 Punkten, die Kursgewinne wurden aber im Handelsverlauf wieder abgegeben. Bedenklich dürfte diese Entwicklung vor allem für die Immobilienpreise sein.

Bereits jetzt droht in deutschen Ballungsräumen teilweise eine Blasenbildung. Die Preise haben sich seit Ausbruch der Weltfinanzkrise 2007 dort in guten Lagen mehr als verdoppelt oder verdreifacht. Hauptgrund: Professionelle Investoren wie Lebensversicherungsgesellschaften und Pensionskassen drängen auf der Suche nach höherenRenditen in diesen Markt.

Indirekte Hilfe für Türkische Lira

Sollte es der EZB gelingen, mit diesen Maßnahmen den Euro nachhaltig zu schwächen, dürfte dies umgekehrt zu Kursgewinnen bei Schwellenländerwährungen führen. Vom mexikanischen Peso über die indische Rupie bis zur türkischen Lira gab es 2013 fast reihum Verluste. Diese Phase der Abschwächung könnte nun ein Ende haben. Die Lira hat dies bitter nötig, hatte sie doch seit Frühjahr 2013 rund ein Drittel an Wert verloren. Nun könnte die EZB mit ihrer Politik für eine nachhaltige Stabilisierung sorgen, wenn ihre Maßnahmen denn greifen. Die unbekannten Faktoren in dieser türkischen Rechnung sind dann aber der US-Dollar und die Politik der Regierung.