Ein ungewöhnliches Fahrverbot sorgt derzeit in England für Aufsehen. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass eine ultra-orthodoxe jüdische Gemeinde im Norden von London es ihren weiblichen Mitgliedern verbietet, Autos zu fahren. Das Verbot wurde publik, als die zur Gemeinde gehörige Schule in einem Brief mitteilen ließ, dass die Kinder, die von ihren Müttern zur Schule gefahren werden, nicht hineingelassen würden. Frauen, die Autos fahren, würden „die Regeln der Sittsamkeit“ verletzten, zitiert die britische Zeitung „The Guardian“ die Rabbiner der Gemeinde. Zwar sollte das Fahrverbot für Frauen ab dem Sommer gelten, aber es habe es offenbar auch in den vergangenen Wochen gegeben, so die britische Zeitung.

Ausnahmen beim Verbot könne es aber dennoch geben. Wenn etwa die Frau keine andere Wahl habe, etwa bei medizinischen Notfällen, könne sie einen Antrag bei der Gemeinde stellen.

Auch innerhalb der jüdischen Gemeinde hat die Regelung der ultra-orthodoxen Gemeinde für Verwirrung gesorgt. „Das ist nicht mein orthodoxes Judentum“, kritisierte Dina Brawer von der Organisation „Jewish Orthodox Feminist Alliance“ über Twitter die Maßnahme. Ähnlich sieht es das Board of Deputies of British Jews (Abgeordnetenausschuss der britischen Juden). „Ich sehe keinerlei Möglichkeit, dass das irgendwo anders in der jüdischen Gemeinschaft Akzeptanz findet“, sagte Jonathan Arkush vom jüdischen Abgeordnetenausschuss.

Die Regelung ähnelt der in Saudi-Arabien, wo es Frauen bis vor Kurzem gänzlich untersagt war, Auto zu fahren. Befürworter eines solchen Verbots begründeten das ebenfalls mit der Sittsamkeit. Zudem könnten die „Eierstöcke von Frauen nachhaltig beschädigt“ werden, wenn sie sich ans Lenkrad setzten. Inzwischen dürfen Frauen in dem Land unter strengsten Auflagen Auto fahren.

Nachspiel für Gemeinde?

Das Verbot dürfte noch ein Nachspiel für die ultra-orthodoxe Gemeinde haben. Die britische Bildungsministerin Nicky Morgan nannte es „unannehmbar“. Schulen hätten die Pflicht, britische Werte zu fördern – und das schließe Rücksicht und Toleranz ein. Das Ministerium hat inzwischen Untersuchungen eingeleitet.

Die Gemeinde gehört der „Belz-Bewegung“, einer ultra-orthodoxen jüdischen Bewegung, an. Sie entstand in Polen und wurde während des zweiten Weltkrieges fast vollständig von den Nazis ausgelöscht.