Fatih Akın: „Stoppen Sie diesen Irsinn“

Mit der gewaltsamen Räumung des Protestlagers im Istanbuler Gezi-Park am Samstag war die Krise in der Türkei eskaliert. „Ich appelliere an Ihr Gewissen: Stoppen Sie diesen Irrsinn!“, schreibt der Hamburger Filmregisseur Akın („Gegen die Wand“) nun an den türkischen Staatspräsidenten Gül. Akın erinnerte Gül daran, dass er und seine Partei vor zehn Jahren mit dem Versprechen angetreten seien, „sich für die Grund- und Bürgerrechte eines jeden in der Türkei einzusetzen. Ich möchte nicht glauben, dass Sie sich um der Macht wegen von Ihrem Gewissen verabschiedet haben.“

Zuvor hatte Akın mit anderen Schauspielern, Filmemachern und Schriftstellern an Kanzlerin Angela Merkel appelliert, für ein Ende der Gewalt in der Türkei einzutreten. In einem offenen Brief an Merkel heißt es: „Bitte schauen Sie nicht zu.“ Merkel solle gemeinsam mit den europäischen Regierungschefs die türkische Regierung dazu bewegen, die Gewalt gegen die Bevölkerung zu beenden.

Die Türkei kommt nicht zur Ruhe

Den Appell haben neben Akın mehrere Film- und Theaterregisseure wie Dani Levy, René Pollesch, Sebastian Nübling und Lukas Langhoff unterzeichnet. Die Schauspieler Sibel Kekilli, Jan Josef Liefers, Anna Loos und zahlreiche Autoren gehören auch zu den Unterzeichnern des Briefes.

In Hamburg demonstrierten am Sonntagabend nach Angaben der Polizei zudem mehrere hundert Menschen friedlich gegen die Gewalt in der Türkei. In Berlin zogen Hunderte Menschen aus Solidarität mit der Protestbewegung vor die türkische Botschaft.

In mehreren türkischen Städten kam es Berichten zufolge auch in der Nacht zum Montag wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen regierungskritischen Demonstranten und der türkischen Polizei. In Ankara setzten die Sicherheitskräfte Wasserwerfer und Tränengas gegen Demonstranten ein, wie Aktivisten mitteilten. In Istanbul habe die Polizei Demonstranten gewaltsam daran gehindert, zum zentralen Taksim-Platz zu ziehen, hieß es. Angaben der Istanbuler Anwaltskammer zufolge seien seit Samstag 350 Menschen in Gewahrsam genommen worden, berichtete das englischsprachige Onlineportal der Zeitung „Hürriyet“. (dpa/dtj)