„Wir denken nur an den Fußball, die Politik interessiert uns nicht. Ich verstehe auch gar nichts von Politik“, versuchte Fenerbahçe-Coach Vitor Pereira im Vorfeld die Brisanz aus dem Spiel zu nehmen. Denn die Lage zwischen Russland und der Türkei hat sich im Vergleich zum Zeitpunkt der Auslosung im Dezember nicht beruhigt, im Gegenteil. Beide Länder haben den Ton untereinander noch einmal deutlich verschärft, zuletzt sprach der türkische Premierminister im Zusammenhang mit Russland von einer „Terrororganisation“. Die UEFA stufte die Europa League-Partie daher vorsichtshalber als „Risikospiel“ ein.

Die Beteiligten sind sehr bemüht, die Politik aus der Begegnung herauszuhalten, wie man an der Aussage Pereiras sehen kann. Einen ähnlichen Ton schlug auch sein Trainerkollege Igor Cherevchenko an. „Wir sind für den Fußball auf dem Platz verantwortlich. Jeder soll seinen Job machen“, erklärte der Coach von Moskau.

Fenerbahçe ohne Diego, Markovic und Ba

Seinen Job im 100. Heimspiel auf internationaler Ebene nicht machen können wird Ex-Bundesliga-Star Diego, der wegen einer Rotsperre fehlt. Zudem fallen auf Seiten von Fenerbahçe Lazar Markovic und Abdoulaye Ba wegen Verletzungen aus. Dennoch sieht sich der Istanbuler Traditionsklub im Vorteil. „Wir spielen vor unseren Fans, sind gut in Schuss. Ein Sieg hier, und wir haben einen großen Vorteil vor dem Rückspiel“, so Pereira.

Ein weiterer Vorteil könnte sein, dass in Russland die Rückrunde noch nicht begonnen hat. Das letzte Pflichtspiel von Lokomotive liegt über zwei Monate zurück. Auch Cherevchenko sieht das als Nachteil an, will aber keine Ausreden zulassen. Auch der Verlust von Stürmerstar Oumar Niasse, der in der Winterpause in die Premier League wechselte, könne „mit vereinten Kräften“ kompensiert werden.

Russische Polizisten helfen türkischen Kollegen

Trotz aller Beteuerungen der Trainer und Spieler gab der türkische Klub eine Erklärung an die Fans heraus, sich während des Spiels fair zu verhalten und auf politische Slogans oder Banner zu verzichten. Die UEFA verhängte in der Saison 2012/13 mehrere Strafen gegen Fenerbahçe, in einem Wiederholungsfall droht ein Ausschluss aus dem Wettbewerb, da die Bewährungsfrist noch nocht abgelaufen ist. Damit dies nicht passiert, sollen auch russische Polizisten für Recht und Ordnung sorgen. Die Regierung in Ankara habe um diese Unterstützung gebeten, teilte das Innenministerium in Moskau der Agentur Tass zufolge mit.

Die russischen Polizisten sollen in Istanbul gemeinsam mit ihren türkischen Kollegen Dienst verrichten. Lokomotive sprach von etwa 70 Fans, die zum Spiel mitreisen wollten. Unklar ist, ob auch türkische Polizisten zum Rückspiel am 25. Februar nach Moskau reisen werden.

Spielbeginn am heutigen Abend ist um 18 Uhr (live bei TRT1), geleitet wird die Partie von Martin Strömbergsson aus Schweden.