Hannover-Coach Tayfun Korkut und Fenerbahce-Trainer Ersun Yanal posieren gemeinsam für die Kameras.

Im Rahmen des Winter-Trainingslagers standen sich der Bundesligist Hannover 96 und der türkische Vizemeister Fenerbahçe am gestrigen Abend in einem Testspiel gegenüber. Das Duell zwischen dem von Tayfun Korkut (li., mit Fenerbahçe-Coach Ersun Yanal) trainierten Klub und dem türkischen Herbstmeister wurde in Antalya ausgetragen und fand erst spät in der Nachspielzeit seinen Sieger.

Vor rund 5000 Zuschauern im Mardan-Stadion gingen die Hannoveraner durch ein Tor von Mame Diouf in der 27. Minute mit 1:0 in Führung. Nach einem Freistoß von Szabolcs Huszti, der die Latte traf, reagierte der senegalesische Stürmer am schnellsten und beförderte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor. Nach einer schwachen ersten Halbzeit legte der Süper-Lig-Spitzenreiter einen Zahn zu und erzielte in Person von Pierre Webo per Flugkopfball den 1:1-Ausgleich. Den Schlusspunkt in dem Spiel, das in der ersten Hälfte wegen gezündeter Feuerwerkskörper unterbrochen werden musste, setzte in der 93. Minute sein Sturmkollege Dirk Kuyt, der nach einem Handspiel von 96-Verteidiger Steven Cherundolo den fälligen Elfmeter zum 2:1-Siegtreffer verwandelte.

„Wir haben gegen den Tabellenführer der türkischen Liga wie ich finde ganz gut mitgehalten. Wenn wir in den entscheidenden Situationen noch aufmerksamer gewesen wären, wäre das Ergebnis ein anderes. Letzten Endes haben wir das Spiel erst in der Schlussminute verloren – ein Fenerbahçe-Klassiker sozusagen. Natürlich ist es nicht schön zu verlieren. Doch es waren viele gute Ansätze zu erkennen. Ich bin eher positiv als negativ gestimmt. Das, was wir hier abgeliefert haben, muss uns Selbstvertrauen geben“, sagte ein positiv gestimmter Tayfun Korkut nach dem Testspiel gegen seinen Ex-Klub, für den er zwischen 1995 und 2000 selbst aktiv war. Dirk Dufner, der Sportchef der „Roten“, sah es ähnlich: „Wir haben sehr ordentlich gespielt. Das 1:2 war unglücklich. Darüber ärgern wir uns.“

Korkut will den Abstand auf die Gefahrenzone vergrößern

Dufner wurde nach seiner mutigen Entscheidung, Korkut als neuen Coach der Niedersachsen zu verpflichten, zunächst öffentlich kritisch beäugt, da der 39-jährige Fußball-Lehrer bislang keinerlei Bundesliga-Erfahrung als Trainer aufweisen konnte. Doch der türkische Ex-Nationalspieler hat sich in kürzester Zeit bereits großen Respekt verschafft. Im Training sollen bereits grundlegende taktische Veränderungen erkennbar sein. Korkut pflegt die spanische Schule und studiert gemeinsam mit seinen Schützlingen ein gepflegtes Kurzpassspiel mit viel Ballbesitz ein.

Nach spanischem Vorbild will der Nachfolger von Mirko Slomka sein Team also aus dem Tabellenkeller zaubern. Auf dem dünnen Vier-Punkte-Vorsprung zu den Abstiegsrängen könne man sich ohnehin nicht ausruhen. Ganz im Gegenteil: „Wir wollen diese Saison ohne viel Nebengeräusche beenden. Unser Ziel ist es, den Vier-Punkte-Vorsprung nicht zu halten, sondern auszubauen. Danach können wir uns den nächsten Planungen widmen.“

Korkut ging nach dem Spiel auch auf seinen Ex-Verein ein: „Fenerbahçe spielt ein bewährtes System. Sie versuchen permanent am Spielgeschehen teilzunehmen. Das haben sie heute in der letzten Minute erneut unter Beweis gestellt. Wenn die ersten Spiele in der Rückrunde gut laufen, wird es sehr schwierig für die Verfolger, den Acht-Punkte-Rückstand aufzuholen.“

Pierre Webo nimmt den Konkurrenzkampf im Sturm an

Vor dem Start in die zweite Saisonhälfte zeigte sich auch Fener-Stürmer Pierre Webo in einer guten Verfassung. Der Stürmer aus Kamerun weiß, worauf es im Spiel ankommt: „Im Grunde genommen ist es das Wichtigste, Torchancen zu haben. Vom Erspielen der Torchancen lebt eine Mannschaft. Wir haben uns diese heute erspielt und zu Recht gewonnen.“ In der Rückrunde soll es nun bei den „Kanarienvögeln“ wenn möglich genauso weitergehen wie in der Hinserie. Mit dem Sieg gegen Hannover 96 feierte Fenerbahçe eine gelungene Generalprobe.

„Speziell diese Testspiele gegen starke Mannschaften dienen dir als Standortbestimmung. Wir wollen uns akribisch auf die Rückrunde vorbereiten und die positive Bilanz aus den ersten 17 Spielen weiter fortführen“, erklärte der Torschütze zum 1:1, der jedoch im Luxus-Sturm von „Fener“ nicht mehr so häufig von Beginn an zum Zug kommt und sich mit seinen Offensivkollegen Moussa Sow, Emmanuel Emenike und Dirk Kuyt einen erbitterten Konkurrenzkampf liefert. So wird er auch zum Rückrunden-Auftakt weiter auf seine Chance lauern: „Ein Fußballer muss jederzeit bereit sein. Das Wichtigste ist, hart zu arbeiten. Sobald sich eine Möglichkeit ergibt, werde ich diese auf beste Weise nutzen.“

Hannover trifft zum Abschluss des Trainingslagers am heutigen Freitag auf einen weiteren türkischen Erstligisten. Gegen Rizespor will das Team von Trainer Korkut vor dem Rückrundenstart in Wolfsburg (25.01.) noch einmal Selbstvertrauen tanken.

Fenerbahçe wird in Antalya ebenfalls noch einen Test bestreiten. Am morgigen Samstag sind die Schützlinge von Coach Ersun Yanal gegen den aktuellen aserbaidschanischen Meister PFC Neftchi Baku gefordert. Anschließend geht es zurück nach Istanbul. Dort wird der Herbstmeister dann am 27.01. die Rückrunde gegen Konyaspor eröffnen.