Mehr als drei Milliarden Menschen sollen mindestens ein WM-Spiel bisher gesehen haben, viele versuchen möglichst viele Partien zu schauen. Das Turnier ist längst zur größten Einzelveranstaltung auf dem Planeten geworden. Das Spiel um das runde Leder zieht aber nicht nur den Normalbürger in seinen Bann. Vielmehr ist Fußball auch ein globales Business geworden. Allein die europäischen Profivereine setzten im vergangenen Jahr mehr als 20 Mrd. Euro um und beschäftigen eine sechsstellige Anzahl von Mitarbeitern. Immer mehr Unternehmen und Privatpersonen engagieren sich als Sponsor oder gar Eigentümer bei den Clubs.

Im Wettmarkt das größte Einzelsegment

Im Wettmarkt ist Fußball mit Abstand das größte Einzelsegment. Mehr als 20.000 Internetseiten bieten Wetten auf Tore, Gelbe Karten oder Ergebnisse an, so Declan Hill, einer der angesehensten Sportjournalisten der Welt. Franz Ömer, der Vorstandschef des österreichischen Anbieters bet-at-home.com AG stellte schon im Januar klar: „Das WM-Jahr hat 14 Monate!“ Inmitten dieses globalen Geschäfts sitzt mit der FIFA ein eingetragener Verein wie die Made im Speck. Ohne sie geht fast nichts im Weltfußball. Sie hat ein Monopol und gibt den Takt vor, nach denen Clubs, Sponsoren, Wettanbieter und Einzelverbände zu tanzen haben.

Das FIFA-Monopol

Und sein Monopol weiß der Fußball-Weltverband wirtschaftlich auszuschlachten. So lässt sich die FIFA von jedem WM-Bewerberland vertraglich zusichern, vom Tag der Zusage bis zum Ende des Turniers keine Steuern im Ausrichterland zahlen zu müssen. Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Finanzkraft: Im Jahresbericht 2013 wies die FIFA Einnahmen in Höhe von 1,39 Milliarden US-Dollar aus. Das ist ein Plus von rund 57,1% gegenüber dem Jahr 2007, in dem bekanntlich die Weltwirtschaftskrise ausbrach. Der Gewinn belief sich auf rund 72 Millionen US-Dollar. Allerdings gab es im vergangenen Jahr keine Fußball-WM, und so muss man stets einen Zyklus von vier Jahren berücksichtigen, um einen Überblick zu bekommen. Zwei Beispiele machen dies deutlich: So wird die FIFA rund 900 Millionen US-Dollar in den vier Jahren bis zur WM in Russland 2018 „investieren“. Die Einnahmen dürften ein Vielfaches dessen betragen. Die Reserven des Verbands wurden per Jahresende mit 1,43 Milliarden US-Dollar angegeben. Doch so schön diese Zahlen aussehen, die FIFA hat ein Problem: sie ist korrupt!

FIFA ist korrupt

Und das darf jeder seit dem Jahr 2012 behaupten. Denn da wurde das ganz offiziell von einem Schweizer Zivilgericht festgestellt. Die Vorgeschichte dazu begann im Jahr 2001. Der Rechtevermarkter ISL/ISMM war Pleite gegangen. Er war der langjährige FIFA-Partner, wenn es um den Verkauf von TV-Rechten ging. Die damalige FIFA-Führung beging den Fehler, die Macher hinter ISL vor einem Zivilgericht zu verklagen. Es folgten jahrelange Rechtsstreitigkeiten. Am Ende, 2012, wurden tausende Dokumente veröffentlicht und es stand fest, dass ISL zwischen 1989 und 2001 Schmiergeldzahlungen in Höhe von 138 Millionen Schweizer Franken an Funktionäre gezahlt hatte, um sich die Vermarktungsrechte zu sichern. Das Geld floss direkt auf die Privatkonten der Mitglieder des Exekutivkomitees der FIFA. Größter Profiteur war die Familie des langjährigen FIFA-Chefs und heutigen Ehrenpräsidenten Joao Havelange sowie sein Schwiegersohn Ricardo Teixeira.

Korruptionsskandale prallen an Blatter spurlos ab

Beide haben bis auf die Ehrenpräsidentschaft keine offizielle Funktion mehr bei der FIFA. Doch die Mauscheleien gehen weiter. Denn Präsident Joseph Blatter sitzt schon seit 1975 im Zentrum der Macht. Erst war er ein Direktor, ab 1981 Generalsekretär und 1998 beerbte er den Havelange als Präsident. Von den Zahlungen der ISL muss Blatter gewusst haben, denn es landeten manchmal versehentlich Millionenbeträge auf den Konten der FIFA. Auch das ist bestätigt. Doch die Korruptionsskandale prallten an dem heute 78-Jährigen fast spurlos ab. Er wird zwar in fast jedem Land dieser Welt von Fans ausgepfiffen und von Journalisten kritisiert, doch wenn es darum geht, die Fußball-WM zu eröffnen oder den Pokal zu übergeben, stehen Politiker aller Länder Schlange, um Blatter die Hand geben zu dürfen. Das nennt man Macht.

Doch Blatter hat ein Problem. Die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 nach Russland und 2022 in den Katar sollen gekauft worden sein. Der Widerstand formiert sich vor allem in England, das mit seiner Bewerbung für 2018 scheiterte. Die Einzelverbände geben zig Millionen Euro aus, um die Stimmen der Exekutivmitglieder für sich zu gewinnen. Geschieht dies legal, gibt es nichts zu beanstanden. Doch offenbar ist es in diesen beiden Fällen nicht sauber gelaufen, wobei vor allem der Katar im Fokus steht. Das Turnier in dem Wüstenreich, das seinen Reichtum auf den fünftgrößten Erdgasreserven der Welt begründet, soll gekauft worden sein. Inzwischen liegen „Beweise“ vor, die die angriffslustige englische Presse gesammelt hat. Die Zeitung „Sunday Times“ hat laut eigenen Angaben „tausende Gigabytes“ und „Millionen von E-Mails und Dokumenten“ aus dem Machtbereich des langjährigen Fifa-Exekutivmitglieds Mohammed Bin Hammam zugespielt bekommen. Die sollen belegen, dass der Organisator der katarischen WM-Bewerbung fünf Millionen US-Dollar an Offizielle gezahlt habe. Weitere 1,7 Millionen Dollar gingen an Stimmen aus Asien. Dazu kommt wohl ein Gas-Deal mit Thailand, der über das FIFA-Exekutivmitglied Worawi Makudi eingefädelt wurde. Diese Liste lässt sich noch eine ganze Weile fortsetzen, beispielsweise mit der Übernahme von Anwaltskosten für das ehemaligen Exekutivmitglieds Reynald Temarii aus Tahiti in Höhe von 305.000 Euro. Auch das soll Bin Hammam übernommen haben.

Ethikkommission untersucht die Vergabe der WM 2022 an Katar

Und schon hagelt es Kritik, sogar mehr Kritik als gegen die unwürdigen Arbeitsbedingungen beim Bau der Stadien im Katar oder die unerträgliche Hitze, die dort im Sommer herrscht. Sony, einer der Hauptsponsoren der FIFA, fordert eine „angemessene Untersuchung“ der Korruptionsvorwürfe rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022. Diese Nachricht macht den Ernst der Lage deutlich, in der Blatter steckt. Denn Sponsoren sind die Geldgeber, und da versteht die FIFA keinen Spaß mehr. Blatter selbst hat bereits den Weg gezeigt, der aus dieser misslichen Situation führen kann. Zum einen sagte der studierte Volkswirt, dass es vielleicht ein „Fehler“ war, die WM in den Katar zu vergeben. Wir werten das als klares Signal an die FIFA-Ethikkommission, die die Vergabe untersucht, in welche Richtung es gehen soll. Blatter will wahrscheinlich keine WM mehr in dem Land am Persischen Golf. Nur hat er dann immer noch ein Problem. Wenn die WM neu ausgeschrieben wird, wird der Katar möglicherweise auf Schadenersatz klagen, denn die Stadionbauten wurden bereits auf den Weg gebracht. Allein hier geht es um 10 Milliarden Euro. Sollte es soweit kommen, könnte es schmutzig werden. Denn die Vertreter des Katar werden wissen und sicherlich auch dokumentiert haben, mit wem man wann worüber gesprochen hat. Hier muss also Blatter eine Lösung suchen und finden.

Die Machtfrage: Warnung an Beckenbauer?

Die andere Seite ist natürlich die Machtfrage. Schon länger wollen diverse europäische Verbände eine Ablösung Blatters. Der wurde per Akklamation bis 2015 im Amt bestätig. UEFA-Präsident Michel Platini würde ihn gerne beerben, sagen manche. Blatter aber wird trotz zunächst gegenteiliger Aussagen möglicherweise weitermachen. Dazu braucht er die Stimmen der Mitgliedsverbände. Was er nicht braucht, ist eine starke Opposition aus Europa oder gar einen Nachfolger, der in der Vergangenheit des Verbands Nachforschungen anstellen lässt. Doch vielleicht hat Blatter hier auch schon ein Signal Richtung UEFA gesendet. Die jüngst ausgesprochen 90-Tage-Sperre gegen Franz Beckenbauer wegen eines nicht beantworteten Fragebogens der FIFA-Ethikkommission könnte eine Warnung sein. Wenn Europa auf Konfrontationskurs geht, kann es auch für die Ikonen des europäischen Fußballs ungemütlich werden. Beckenbauer, Platini & Co. – Blatter wird wissen, wo er ansetzen kann. Dafür ist er schon viel zu lange mit dabei.