„Sind Sie ein Diktator, Herr Erdoğan?“ Diese Frage hat den türkischen Staatspräsidenten am Dienstag äußerst verärgert. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem finnischen Präsidenten in Ankara hatte ein finnischer Journalist Recep Tayyip Erdoğan danach gefragt.

„Ich hatte die Möglichkeit, Ihr wunderschönes Land zu bereisen. Leider, so habe ich es verstanden, fürchten sich einige Bürger vor Ihnen. Sie behaupten, dass Sie das Land diktatorisch“, sagte der Journalist in fast fließendem Türkisch. „Gleichzeitig behaupten einige, dass der Staat in die Terroranschläge in Ankara verstrickt sei. Was ist Ihre Antwort darauf?“

Erdoğan, der derzeit nicht das beste Verhältnis zu Journalisten hat, wollte zunächst wissen, für welche Zeitung der Journalist arbeite. Dann kam er auf die Fragen zurück. „Als erstes sollte man bemerken, dass Sie in einem Land, in dem ein Diktator herrscht, sicherlich nicht solch eine Frage stellen können. Zweitens: Sie könnten einen Premierminister, einen Präsidenten oder dessen Familie in einem diktatorischen Land nicht beleidigen […] Das wird in meinem Land getan, aber wir gehen damit geduldig um. Ich bin jemand, der vor einem Jahr von 52% meiner Bürger zum Präsidenten gewählt worden ist. Wer sind diese Menschen, die behaupten, dass jemand, der von 52% seiner Bürger gewählt worden ist, als Diktator bezeichnet werden kann?“

Nachrichtensperre zum Anschlag – Rücktritte „keine Lösung“

Der türkische Staatspräsident erklärte darüber hinaus, dass die Türkei ein Land sei, in dem die Freiheiten grenzenlos seien in Bezug auf das demokratische parlamentarische System.

Er halte im Zusammenhang mit dem Doppelanschlag vom 10. Oktober, über den in der Türkei am Mittwochabend eine umfassende Nachrichtensperre verhängt wurde, nichts von den Anschuldigungen gegenüber dem Staat. Es habe sicher „irgendwo“ einen Fehler gegeben. Er habe persönlich Ermittlungen einleiten lassen. Rücktritte von Ministern schloss er kategorisch aus, diese seien keine Lösung für die Probleme, mit denen das Land derzeit zu kämpfen habe.

Zum Abschluss gab er seinen Kritikern noch eine Breitseite mit auf den Weg: „Ich stelle fest, dass nicht mit Wissen und Fakten, sondern Gerüchten und Ideologien gesprochen wird“, so Erdoğan.

Nachrichtensperren wurden in der Türkei zuletzt häufiger verhängt, so auch nach dem Anschlag von Suruç. Es soll damit erreicht werden, dass die Ermittlungen nicht gestört werden. Medienvertreter und Oppositionspolitiker sind anderer Ansicht. Sie fordern Transparenz und Zugang zu Informationen, um die Öffentlichkeit hinsichtlich der Ermittlungen auf dem Laufenden zu halten.