Die Haga Sophia in Istanbul.

In ihrer Geschichte war die Haghia Sophia erst eine Kirche, dann eine Moschee und seit 80 Jahren ist sie ein Museum. Sie war in der fast 100-Jährigen Geschichte der türkischen Republik oft Gegenstand von  politischen Diskussionen. Dabei ging es auch darum, das Museum wieder in eine Moschee umzuwandeln. Doch genauso wie die Haghia Sophia aus muslimischer Sicht einen symbolischen Charakter hat – sie gilt als Zeichen der Eroberung Konstantinopels 1453 –  hat sie für das christliche Abendland eine ähnlich symbolträchtige Bedeutung: Sie war als Zentrum des Oströmischen Reiches von politischer Bedeutung und als solcher über 900 Jahre lang die größte Kirche der christlichen Welt. Ist also eine Änderung ihres Status ohne internationalen Konsens vernünftig und sachdienlich? Viele muslimisch-türkische Verbände, wie z.B. die Anatolische Jugendvereinigung, sehen darin kein Problem.

 „Wir können nicht länger zusehen, dass sie nicht als Gotteshaus dient“ 

Eine Rückumwandlung der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee fordert der Istanbuler Chef der Anatolischen Jugendvereinigung, Ali Uğur Bulut. „Ich finde, wir Muslime können nicht länger zusehen, dass sie nicht als Gotteshaus dient. Eine Glaubensstätte sollte eine Glaubensstätte bleiben“, sagte der 47-Jährige im Interview mit „Spiegel online“ am Sonntag. Die Hagia Sophia sei „auch ein Symbol der islamischen Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453. Ich sehe es als unsere Aufgabe, dieses islamische Erbe zu schützen und weiterzugeben“.

Die Anatolische Jugendvereinigung ist nach eigenen Angaben mit etwa einer halben Million Mitgliedern die größte Jugendorganisation der Türkei. Ende Mai organisierte sie ein öffentliches Demonstrationsgebet vor der Hagia Sophia, an dem viele Tausende teilnahmen.

Bulut versicherte, die Hagia Sophia werde auch als Moschee für alle Besucher zugänglich bleiben. „Aber als Museum ist sie ihres Geistes, ihrer Seele beraubt.“ Die bildliche Kunst, die in den vergangenen Jahren freigelegt wurde, müsse wegen des islamischen Bilderverbots überdeckt werden. Das sei aber ohne Probleme möglich, ohne die Darstellungen zu beschädigen.

Bülent Arınç befürwortet eine Umwandlung

Bulut zeigte sich zuversichtlich, dass die Rückumwandlung zeitnah möglich sei. „Wir Muslime stellen in diesem Land heute die Mehrheit, also haben wir das Recht zu bestimmen.“ Auch die Spanier hätten das Recht, in Andalusien alte Moscheen aus der Zeit der Mauren als Kirchen zu nutzen.

Die aus dem 6. Jahrhundert stammende Hagia Sophia diente über Jahrhunderte als Reichskirche der Byzantiner. Seit der Eroberung Konstantinopels durch die muslimischen Osmanen 1453 war sie die wichtigste Istanbuler Moschee. Nach der Ablösung des Osmanenreiches durch die türkische Republik 1923 wurde die Hagia Sophia von Republik-Gründer Mustafa Kemal Atatürk in ein Museum verwandelt, in dem religiöse Riten verboten sind. Heute gehört sie zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Istanbuls. In den vergangenen Monaten hatte sich unter anderem der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arınç für die Umwandlung des Baus in eine Moschee ausgesprochen.

Bulut sagte dazu, er sei sich sicher, dass die Umwandlung in ein Museum auf Druck des Auslands geschehen sei. „Ich bin mir sicher, dass Atatürk es in der heutigen Zeit begrüßen würde, wenn in der Ayasofya-Moschee wieder gebetet wird.“

Die Bundesregierung hatte sich im Mai zurückhaltend zu den Plänen der türkischen Regierung geäußert, die Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umzuwandeln. Eine signifikante Statusänderung würden alle, für die die Hagia Sophia ein wichtiges Bauwerk sei, mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, so eine Sprecherin des Bundesaußenministeriums.