„Frankfurter Rundschau“ bleibt erhalten

Frankfurt/Main – Obwohl eine marktbeherrschende Stellung im Rhein-Main-Gebiet entstehen könnte, sieht das Kartellamt keine Alternative. Bereits an diesem Donnerstag soll nach früheren Angaben der Insolvenzverwaltung der Kaufvertrag unterzeichnet werden, die erste Ausgabe unter der neuen Eigentümerin erscheint am Freitag.

Allerdings müssen trotz der gesicherten Zukunft des Blattes die weitaus meisten Mitarbeiter des Verlags gehen. Die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) übernimmt in ihrem bislang bekannten Konzept nur 28 Beschäftigte der Redaktion, an der verlagseigenen Druckerei der „Frankfurter Rundschau“ („FR“) hat sie kein Interesse. Hunderte „FR“-Mitarbeiter haben bereits ihre Kündigungen erhalten.

Das Bundeskartellamt hatte geprüft, ob der „FR“-Marktanteil bei einem Verschwinden vom Markt ohnehin an die „FAZ“ fallen würde und ob es einen ernsthaften alternativen Käufer für das Traditionsblatt gibt. „Wir haben hier eine sogenannte Sanierungsfusion geprüft und im Ergebnis bejaht“, sagte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt am Mittwoch. Für den Leser- und Anzeigenmarkt in Deutschland habe es keine fusionskontrollrechtlichen Bedenken gegeben. Es sei aber möglich, dass die neue Eigentümerin, die Fazit-Stiftung, im Rhein-Main-Gebiet eine marktbeherrschende Stellung erhalten könnte. Unter ihrem Dach erscheint neben der „FAZ“ auch die „Frankfurter Neue Presse“ („FNP“).

Hätten die Kartellwächter das Angebot der „FAZ“ abgelehnt, wäre nach Angaben der Insolvenzverwaltung bereits an diesem Freitag (1. März) keine Ausgabe der „FR“ mehr erschienen. Zuvor war bereits ein Angebot des türkischen Verlegers Burak Akbay vom Gläubigerausschuss als nicht ausreichend abgelehnt worden.

Nach jahrelanger Krise hatte die „FR“ aufgrund der hohen Verluste im vergangenen November Insolvenz angemeldet. Bisherige Hauptgesellschafter sind die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding ddvg.

Details aus dem „FAZ“-Angebot sollten am späteren Mittwoch oder Donnerstag veröffentlicht werden. Unklar bleiben solange auch die Auswirkungen der Übernahme auf den Berliner Verlag. Seit 2011 wird dort der „FR“-Mantel von einer Redaktionsgemeinschaft produziert, zusammen mit den überregionalen Seiten der „Berliner Zeitung“.

Ende November vergangenen Jahres hatte das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg als Eigentümer von „Berliner Zeitung“ und „FR“ mitgeteilt, es stünden mehr als 40 Arbeitsplätze auf dem Spiel.Werde dagegen bei einer „FR“-Übernahme auch die weitere Mantellieferung oder redaktionelle Zuarbeit aus Berlin nötig, so könne auch ein Großteil dieser Stellen behalten werden. (dpa/dtj)