„Frankfurter Rundschau“ vor dem Aus

Bislang hatte es vor allem französische Tageszeitungen getroffen, kürzlich die angesehene „Newsweek“: Immer mehr traditionsreiche Printformate verlieren kontinuierlich an Lesern und sind nicht mehr in der Lage, noch Gewinne zu erwirtschaften. Viele stellen um und erscheinen nur noch als Onlinepublikationen, manche machen komplett dicht. Diesmal hat es die „Frankfurter Rundschau“ erwischt.

Steckt ein Format erst in der Krise, erreichen die Verluste oftmals so immense Höhen, dass nicht einmal mehr der Rückhalt durch große Institutionen ein Überleben sichern kann. Bereits 2010 musste die Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ diese Erfahrung machen, die von der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz mit bis zu 2,5 jährlich bezuschusst werden musste, ehe auch deren christliche Nächstenliebe an unüberwindbare finanzielle Grenzen stieß und das Blatt eingestellt wurde (es erscheint jetzt nur noch als Beilage der „Zeit“).

Im Falle der „Frankfurter Rundschau“ waren es die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg (50%), die DDVG-Medienholding der SPD (40%) und die Karl-Gerold-Stiftung, die hinter dem Blatt standen. Seit 2003 gilt das Blatt finanziell als angeschlagen. Die Eigentümer sind nun nicht mehr bereit, die Verluste weiter zu tragen. Ein Online-Geschäftsmodell, das die Aufrechterhaltung einer Redaktion in der gegebenen Größenordnung ermöglichen würde, ist nicht in Sicht.

Die „Frankfurter Rundschau“ positionierte sich selbst als „linksliberale, überregionale Tageszeitung“. Vor Ort hatte sie die „Frankfurter Allgemeine “, die „Frankfurter Neue Presse“ und die Lokalausgabe der Bild- als Konkurrenz – was auf Grund der unterschiedlichen weltanschaulichen Ausrichtungen eigentlich nicht unbedingt einem Erfolg des Blattes im Wege hätte stehen müssen.

Geben Leser für linksliberalen kein Geld mehr aus?

Allerdings scheinen auch in immer weniger Leser bereit zu sein, für linksliberalen Journalismus Geld auszugeben, zumal gerade in diesem weltanschaulichen Spektrum eher ein Überangebot an vorhanden ist, das – wenn man beispielsweise die „Zeit“, den „Spiegel“, die „Süddeutsche“ oder selbst den „Stern“ dazu in Relation setzt – zum Teil auch für moderne Leser wesentlich ansprechender gestaltet ist als es die FR je versucht hat.

Die SPD-Medienholding ist daneben direkt oder indirekt an weiteren Zeitungen wie der „Neue Westfälische“, „Sächsische Zeitung“, „Frankenpost“ oder „Hannoversche Allgemeine“ beteiligt. DuMont Schauberg gibt beispielsweise den „Kölner Stadt-Anzeiger“, den „Express“ und die „Berliner Zeitung“ heraus.

Welche Zeitung es als nächste treffen wird, ist ungewiss. Die Medienanalysen sprechen jedoch seit Jahren die gleiche Sprache: Der Großteil der Printmedien in Deutschland befindet sich auf zum Teil rasanter Talfahrt. Nur einzelne breit aufgestellte, aber tendenziell konservative Formate wie die FAZ, fachlastige Publikationen wie „Handelsblatt“ oder „Financial Times Deutschland“ oder stark in ihrem Stammmilieu verwurzelte Nischenblätter wie die linksalternative taz oder die rechtskonservative „Junge Freiheit“ können – auf bescheidenem Niveau – ihre Stellung halten.

Die Diversifizierung des in Deutschland zugänglichen Medienportfolios und die steigende Vielfalt in der Medienlandschaft, die durch das Internet herbeigeführt wird, dürfte – trotz des Scheiterns der „Netzeitung“ – Printformate weiter vor außerordentliche Probleme stellen, während klug konzipierte, nicht allzu wagemutige Onlineprojekte langfristig im Vorteil sein dürften.