Der französische Komiker Dieudonne vor Journalisten.

Als das Auftrittsverbot gegen Dieudonné vor dem Veranstaltungsort seines geplanten Tourneeauftakts in der nordfranzösischen Stadt Nantes die Runde macht, ist die Stimmung gereizt. 5.000 Zuschauer warten bereits auf den umstrittenen Komiker. Am Ende bleibt es bei verbalen Auseinandersetzungen. Dieudonné, der sonst um keine Provokation verlegen ist, ist nicht vor Ort.

Die Geschehnisse in Nantes sind das vorläufige Ende einer peinlichen Posse um den französischen Komiker Dieudonné M´bala M´bala. Nachdem der französische Staatspräsident François Hollande den Komiker höchstpersönlich als Gefahr für „Glaubwürdigkeit der Justiz und der Staatsgewalt“ einstufte, überschlagen sich in Frankreich die Ereignisse.

Auftritt Ja – Auftritt Nein

Zu Beginn der Woche hatten Präsident Hollande und Innenminister Manuel Valls ein Auftrittsverbot für Dieudonné gefordert. Sein Programm enthalte „infame antisemitische Attacken auf mehrere jüdische Personen“ und „heftige Verstöße gegen das Gedenken an den Holocaust“, so der Vorwurf.

Deswegen wies die französische Regierung sämtliche Bürgermeister und Präfekten der Republik an, die für diese Woche geplante Tour des Komikers zu verbieten. Prompt verhängte die Stadt Nantes ein Auftrittsverbot gegen Dieudonné, der bereits seit Wochen für seine Auftritte warb.

Sein Anwalt reichte umgehend Klage ein. Am Donnerstag entschied ein Verwaltungsgericht in Nantes gegen das Auftrittsverbot und gab der Eingabe des Komikers Recht. Das gegen ihn verhängte Auftrittsverbot sei zumindest in Nantes unzulässig. Über den Vorwurf des Antisemitismus schwiegen die Richter.

„Ich habe mich noch nicht zwischen den Juden und Nazis entschieden, ich bin da neutral“, sagt Dieudonné in einem Video, das im Internet kursiert. Er sei ja damals nicht dabei gewesen und wisse nicht wer wen provoziert und bestohlen habe. „Aber ich habe da so eine Ahnung“, heißt es in dem Video weiter.

Als dem Auftritt nichts mehr im Weg zu stehen schien, intervenierte das französische Verwaltungsgericht. In letzter Minute gab das Gericht am Donnerstagabend einen Beschluss zum Verbot des Auftritts für Dieudonne bekannt. Nur zwei Stunden vor dem geplanten Beginn der Veranstaltung annullierte der Staatsrat in Paris das Urteil des Verwaltungsgerichts in Nantes vom Nachmittag.

„Schwere Risiken“ für die öffentliche Ordnung

Als zuständiger Richter erklärte Bernard Stirn, von der geplanten Veranstaltung gingen „schwere Risiken“ für die öffentliche Ordnung aus. Innenminister Valls sprach von einem „Sieg für die Republik“. „Der Kampf gegen diese widerliche Person geht weiter.“ Dieudonné hingegen hüllt sich in Schweigen und lässt seinen Anwalt reden.

Ein Auftrittsverbot sei Zensur. „Die Störung der öffentlichen Ordnung ist doch nur ein Vorwand, um einen missliebigen Künstler zum Schweigen zu bringen“, sagt Anwalt Jacques Vendier und beruft sich auf die Meinungsfreiheit. „Man kann und darf über alles Witze machen“, sagt Dieudonné selbst.

„Was er macht ist nicht witzig. Das ist keine Comedy-Show, sondern eine politische Versammlung“ sagt Roger Cukierman vom Dachverband jüdischer Einrichtungen in Frankreich. Der Pariser Komiker leugne den Holocaust und schüre den Hass auf Juden.

Dieudonné polarisiert und macht keinen Hehl aus seiner politischen Haltung. Einen kritischen, jüdischen Journalisten erinnerte er gar an die Gaskammern des Dritten Reiches. Seine geschmacklosen Witze zum Thema Holocaust und Israel finden unter Jugendlichen ein ebenso großes Publikum wie seine Lobesreden auf Adolf Hitler, Baschar al-Assad und die libanesische Hisbollah.

Kein Ende in Sicht

Bislang ist unklar, ob sich das Urteil des französischen Verwaltungsgerichts auf weitere Städte ausweiten lässt. Fakt ist, dass Dieudonné alles versuchen wird seine Tour zu absolvieren. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. In Bordeaux, Tours, Nimes und weiteren französischen Städten liegen ebenfalls Auftrittsverbote gegen Dieudonné vor. Er wird dagegen gerichtlich vorgehen.

Selbst wenn Innenminister Valls und Präsident Hollande einen Achtungserfolg feiern durften, ist Dieudonné der wahre Sieger der hitzigen Debatte. Überall ist nur noch von ihm die Rede. Die Medien überschlagen sich mit immer neuen Meldungen zum Fall Dieudonné. Seine Internetvideos sind so beliebt wie noch nie. Statt für seine rassistischen Ausfälle geächtet zu werden, hört ihm ein Millionenpublikum via Internet zu.

Ganz machtlos scheint die französische Regierung nicht zu sein. Gegen Dieudonné, Sohn einer Französin und eines Kameruners, läuft ein Gerichtsverfahren. Er soll auf betrügerische Weise Insolvenz organisiert und sein Vermögen illegal nach Kamerun überwiesen haben.