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Erst Dieudonné, jetzt eine Affäre: Hollande steht mit dem Rücken zur Wand

Der französische Präsident.

François Hollande scheint das gleiche Schicksal wie vieler seiner Amtsvorgänger zu ereilen. Nicolas Sarkozy hatte eine, ebenso wie sein berühmter Vorgänger Jacques Chirac. Selbst Charles de Gaulle wird etwas Derartiges nachgesagt. Kürzlich wurde bekannt, dass auch Hollande eine außereheliche Affäre hat.

Normalerweise ist es in der „Grande Nation“ keine große Sache, wenn der Regierungschef neben der First Lady weitere Liebesbeziehungen unterhält, für einen handfesten Skandal reichte es jedenfalls nicht. Normalerweise!

Solch großes Interesse am Privatleben des Präsidenten oder an seinen Affären ist für französische Verhältnisse eher untypisch. Vielmehr zeigt das große Medieninteresse, wie die Franzosen zu ihrem Präsidenten stehen. Das öffentliche Bild des Präsidenten ist mehr als beschädigt. Prompt stürzten sich die Boulevardblätter auf das Thema. Seitdem bleibt von den Pariser Paparazzi kein Schritt des Präsidenten undokumentiert.

Die vorherrschende Meinung in Frankreich zeichnet das Bild eines Präsidenten, der den Problemen seines Landes und der Macht seines Amtes nicht gewachsen ist. Um das Elend, das er selbst angerichtet hat zu vergessen, tröstet er sich allabendlich bei seiner angeblichen Geliebten, der Schauspielerin Julie Gayet.

„Die Krise ist noch nicht vorbei!“

Hollande möchte nicht über sein Privatleben sprechen. Das ließ er hunderte Journalisten auf einer Pressekonferenz im Pariser Elyceé-Palast wissen. „Was privat ist, wird im Privaten geregelt“, antwortete er auf die bohrenden Fragen der Reporter.

„Keine Arbeit, Firmenschließungen, steigende Arbeitslosenzahlen, das sind die typischen Themen der Nachrichtensendungen der letzten Monate“, sagt Pierre Makot. Der 31-jährige Pariser ist arbeitslos und von den schlechten wirtschaftlichen Entwicklung seines Landes frustriert. Die Krise sei noch lange nicht vorbei, meint er.

Ganz Unrecht hat er nicht. Wo in anderen europäischen Staaten leichte Wachstumstendenzen zu beobachten sind, hinkt Frankreich hinterher. Die „Grande Nation“ scheint in der Krise stecken geblieben zu sein. Die Mehrheit der Franzosen macht einzig und allein Regierungschef Hollande dafür verantwortlich.

Präsident setzt alles auf eine Karte

Der kündigte für 2014 richtungsweisende Reformen an und wird deshalb bereits in einem Atemzug mit Gerhard Schröder und Tony Blair genannt. In seiner Agenda 2017 will der Regierungschef binnen drei Jahren mehr als 80 Milliarden Euro einsparen. Ohne Steuern zu erhöhen. Er will das Land für Investitionen attraktiver machen und bot der Privatwirtschaft kürzlich Vergünstigungen an.

Dies nehmen ihm seine Genossen in der Sozialistischen Partei übel. Hollande ist sich seiner misslichen Lage bewusst. Seine Regierung wird die Verabschiedung des Reformprogramms mit der Vertrauensfrage im französischen Parlament verknüpfen. Damit setzt der französische Präsident alles auf eine Karte.

Ob er mit diesem Unterfangen Erfolg haben wird, darf bezweifelt werden. Gerade in der jetzigen Krisensituation ist ein starker Präsident gefragt, der sich des Rückhalts seiner Landsleute gewiss sein kann. Hollande ist dafür zu wenig präsent. Seine Außenwirkung wird von vielen Franzosen als „desaströs“ bezeichnet. Sein Rückhalt schwindet und selbst in den eigenen Reihen wächst die Zahl seiner Kritiker.

Hollandes persönliche Niederlage gegen Dieudonné

Die persönliche Niederlage gegen den umstrittenen Komiker Dieudonné ist die Spitze des Eisbergs und lässt Hollande mitunter lächerlich erscheinen. Der französische Präsident hatte sich Mitte der vergangenen Woche gegen den Holocaustleugner und Antisemiten Dieudonné M´bala M´bala gestellt, ihn als Gefahr für „die Glaubwürdigkeit der Justiz und der Staatsautorität“ bezeichnet und ein Auftrittsverbot gefordert.

Mittlerweile ist Dieudonnés geplante Tour erst verboten und später wieder genehmigt worden. Hollandes persönliche Fehde mit dem Kabarettisten bestätigt das Bild eines überforderten Präsidenten. Dieudonné weiß das für sich zu nutzen und nannte ihn unlängst einen „Schaumschläger.“ Der Regierungschef wird alle Hände voll zu tun haben, um seine Landsleute vom Gegenteil zu überzeugen.

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