Paris

„Die Glaubwürdigkeit der Justiz und der Staatsautorität“ sieht Präsident François Hollande durch einen Komiker gefährdet. Staatsfeind Nummer eins ist in Frankreich dieser Tage ein rechtsextremistischer Komiker mit Namen Dieudonné – deutsch: der „Gottgegebene“.

Das persönliche Machtwort des französischen Präsidenten ist bislang der Höhepunkt einer hitzigen Debatte um antisemitische Äußerungen des Komikers Dieudonné M´bala M´bala. Der versteht die Aufregung nicht und beruft sich auf die künstlerische Freiheit: „Man kann und darf über alles Witze machen.“

Vom Antirassisten zum Antisemiten

Einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte Dieudonné, nachdem der Fußballspieler Nicolas Anelka nach einem Tor den umstrittenen „Quenelle-Gruß“ zeigte. Die an den Hitlergruß erinnernde Geste brachte dem Fußballstar zwar Kritik ein, machte Dieudonné jedoch über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt. Heute ist die „Quenelle“ eine Art Markenzeichen für Antisemiten aller Couleur.

Zu Beginn seiner Karriere machte sich Dieudonné als Kritiker der französischen Kolonialvergangenheit einen Namen, stand gemeinsam mit dem jüdischen Kabarettisten Elie Semoun auf Pariser Bühnen und engagierte sich politisch gegen den rechtsextremistischen Front National. Seine Wandlung zum Nationalisten bleibt vielen ein Rätsel. Später engagierte Dieudonné sich für den Front National und behauptete, dessen langjähriger Führer Jean-Marie Le Pen wäre der Patenonkel seines vierten Kindes. Zu den Europawahlen 2009 trat er mit einer „Antizionistischen Liste“ an, die 1,3% erreichte.

Fakt ist: Mit Ausfällen gegenüber Israel, Auftritten als KZ-Häftling und Lobesreden über Irans ehemaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, die libanesische Hisbollah und Syriens Diktator Baschar al-Assad lässt er keinen Zweifel an seinem Wandel. Einen jüdischen Journalisten erinnerte Dieudonné, der bereits sechs Mal wegen seiner rassistischen Äußerungen rechtskräftig verurteilt wurde, während eines kritischen Interviews gar an die Gaskammern des Holocausts.

Auftrittsverbot für Dieudonné?

Damit stilisiert sich der Sohn einer Französin und eines Kameruners zum Agent Provocateur, der offen antisemitische Thesen verbreitet. Deswegen wiesen der französische Präsident und Innenminister Manuel Valls sämtliche Bürgermeister und Präfekten der Republik an, die für diese Woche geplante Tour des Komikers zu verbieten.

Als Grund für das Auftrittsverbot führte die französische Regierung an, dass Dieudonnés Programm „infame antisemitische Attacken auf mehrere jüdische Personen“ und „heftige, schockierende Verstöße gegen das Gedenken an den Holocaust“ enthalte. Es sei die Aufgabe der Präfekten, die zuständigen Behörden an die Bedingungen für ein Aufführungsverbot zu erinnern und ihnen bei der Gestaltung und Umsetzung dieser Maßnahmen zu helfen, hieß es in einer Erklärung.

Prompt verboten die Städte Bordeaux, Nantes und Tours mehrere für Ende dieser Woche geplante Auftritte Dieudonnés. Sein Anwalt reichte umgehend Klage ein – wegen der „Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung“.

Der Komiker scheint sich derweil in der Rolle des unschuldig Verfolgten zu gefallen und darf sich wegen seiner breiten medialen Präsenz im Zuge der Auftrittsverbote Hoffnungen auf eine wachsende Anhängerschaft machen.