Waren Muslime im im frühen Mittelalter tatsächlich bis nach Frankreich vorgedrungen? Diese Frage konnten die Forscher bislang nicht mit einem klaren „Ja“ beantworten. Laut dem Anthropologen Yves Gleize wusste man durch Überlieferungen zwar, dass Muslime im 8. Jahrhundert über Spanien nach Frankreich kamen, einen materiellen Beweis dafür gab es allerdings nicht.

Jetzt gibt es ihn. Denn in Frankreich wurden muslimische Gräber aus dem 8. Jahrhundert entdeckt. Dabei handelt es sich um die ältesten bisher erhaltenen muslimischen Gräber im Land. Auf die Gräber war man bereits während Straßenbauarbeiten im Jahr 2006 in der südfranzösischen Stadt Nimmes gestoßen. Die Untersuchungen wurden nun abgeschlossen, die Gräber konnten eindeutig zugeordnet werden. Bei den Toten handelt es sich um Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, deren Körper alle nach Mekka ausgerichtet beerdigt wurden – eine Praxis, die so nur bei Muslimen üblich ist. In der unmittelbaren Nähe gab es auch weitere Gräber, höchstwahrscheinlich von Christen. Das verstärkt die These, dass Muslime und Christen nach den Kriegszügen der Muslime zusammenlebten. Die bislang ältesten muslimischen Gräber wurden bei Marseille entdeckt und dem 12. Jahrhundert zugeordnet.

Ein muslimisches Heer war im Jahr 711 nach Spanien übergesetzt und hatte begonnen, weite Teile der Halbinsel unter ihre Kontrolle zu bringen. Knapp 20 Jahre später drangen sie bis nach Zentralfrankreich vor, ihr Siegeszug wurde erst 732 durch Karl Martell bei Tours und Poitiers gestoppt.

Es wird vermutet, dass die nun zugeordneten Toten Angehörige der ersten muslimischen Heere waren, die nach Frankreich kamen und sich dort niederließen.

Die muslimische Herrschaft in Spanien (Al-Andalus) erreichte im 10. Jahrhundert ihren Höhepunkt, 1492 endete sie ganz. In Frankreich konnten Muslime nicht dauerhaft Fuß fassen.