Frauen sind in Mint-Berufen stark unterrepräsentiert.

Eine recht unvorteilhafte Sexismus-Affäre erlebte vor einigen Wochen das Silicon Valley. Mit den Konterfeis zweier optisch sehr ansprechend in Szene gesetzter Damen warb die Firma Toptal, die IT-Fachleute in Kalifornien an Unternehmen vermittelt, auf dem Portal LinkedIn – bis die Anzeigen nach wenigen Tagen verschwanden.

Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es Nutzerbeschwerden gegeben haben, wonach die Fotos der Damen lediglich der Erregung von Aufmerksamkeit dienen sollten und es sich bei ihnen um keine Beschäftigten oder Kundinnen von Toptal handeln würde. In einem Fall war dies auch zutreffend und eine Schauspielerin hatte Modell gestanden. In einem anderen Fall behauptet jedoch zumindest Toptal-Chef Taso Du Val, dass die abgebildete Dame tatsächlich in der IT-Branche tätig wäre. Quintessenz der Affäre war, dass offenbar Frauen nicht zugetraut wird, programmieren oder in sonstiger Weise entscheidend in der IT-Branche mitwirken zu können.

Die Toptal-Affäre hätte sich wohl ohne weiteres auch in Deutschland ereignen können. Hier gab es stattdessen vor einigen Monaten einen Shitstorm gegen ein Versandhaus, das T-Shirts für Mädchen vertrieben hatte, auf denen der Text „In Mathe bin ich Deko“ aufgedruckt war.

Fakt ist jedoch, dass in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zwar Fachkräfte stark gefragt sind und Expertinnen und Expertinnen die besten Aussichten haben. Dabei gibt es auch durchaus ein signifikantes Beschäftigungswachstum von Frauen in technischen Berufen. Seit 2007 ist die Zahl der angestellten Naturwissenschaftlerinnen um 44 Prozent gewachsen. Auch unter den Ingenieuren gibt es ein Viertel mehr weibliche Beschäftigte.

Familienunfreundliche Arbeitszeiten müssen in der IT kein Problem bleiben

Allerdings bleibt der Frauenanteil in den sogenannten Mint-Berufen unterdurchschnittlich. Nur knapp jeder fünfte Beschäftigte in diesem Bereich ist eine Frau (18,7 Prozent). Zum Vergleich: Über alle Berufe hinweg stellen Frauen knapp die Hälfte (45,6 Prozent) aller Beschäftigten. Eine DGB-Studie sieht die Hauptgründe in der strukturellen Benachteiligung von Frauen – und der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Studie widerlege die weitverbreitete Annahme, der Fachkräftemangel zwinge Unternehmen, sich langfristig mehr auf die Bedürfnisse von weiblichen Arbeitnehmern einzustellen, etwa durch eine familienfreundlichere Unternehmenskultur und flexiblere Gestaltung der Arbeitszeiten, so Mitautor Dr. Wilhelm Adamy.

Mint-Berufe indes scheinen klassischen Rollenmustern besonders stark verhaftet zu sein: Insgesamt zwei Drittel aller berufstätigen Akademikerinnen in diesem Bereich beschreiben Probleme, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen. Als Hauptgrund geben sie die eigene berufliche Beanspruchung und die des Partners an. Ein Drittel der Frauen hat Schwierigkeiten, einen Betreuungsplatz für den Nachwuchs zu bekommen. Die Frauen, die kein Vereinbarkeitsproblem haben, erreichen das per Teilausstieg: 43 Prozent gaben an, Beruf und Familie durch Teilzeitarbeit gerecht werden zu können.

Zweifellos ist es gerade in vielen naturwissenschaftlichen und technischen Berufen, die zwingend Anwesenheit im Betrieb voraussetzen, auch schwieriger, Home-Office-Lösungen oder ähnliche flexible Modelle anzubieten. Allerdings sollte andererseits gerade dies in der IT-Branche angesichts der heute gegebenen technischen Möglichkeiten kein Hindernis auf dem Weg zur Vereinbarung von Familie und Beruf darstellen.

Aber es gibt auch einen Faktor, den man nicht außer Acht lassen darf: Einige Mädchen interessieren sich nun mal einfach weniger für Technik oder Naturwissenschaften. Und gegen individuelle Präferenzen helfen auch keine „Girls&Boys“-Tage oder Technikcamps…