Archivfoto: Ahmad Chatami spricht neben den Bildern von Ayatollah Ruhollah Khomeini (hinten, l.), und des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei beim Freitagsgebet. Foto: epa Abedin Taherkenareh/EPA/dpa

Seit Beginn der jüngsten Protestwelle stehen Prediger wie die politische Führung in Teheran unter enormem Druck. Auch die Behörden wollen die Kopftuchpflicht vier Monate nach Ausbruch der Demonstrationen wieder strenger verfolgen.

Freitagsprediger im Iran haben trotz aller Proteste die Kopftuchpflicht erneut verteidigt. Der erzkonservative Prediger in der Hauptstadt Teheran, Ahmad Chatami, warnte vor Verstößen. „Der Westen will Frauen als Gefangene und sie ausnutzen. Sie wollen sie für die Arbeit, weil sie billig sind, und sie wollen sie für ihre Triebe. Der Islam sieht Frauen als Juwel, deshalb spricht er über den Hidschab“, zitierte ihn die Tageszeitung „Etemad“.

Der Prediger in Karadsch nahe Teheran sagte, er erkenne beim Besuch von Einkaufszentren sein Land nicht wieder. Immer mehr Frauen tragen seit der jüngsten Protestwelle keine Kopftücher mehr.

Auslöser der landesweiten Proteste gegen den repressiven Kurs der Regierung und das islamische Herrschaftssystem war der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini am 16. September. Sie starb in Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften festgenommen worden war.

Überwachungstechnologie für Hidschab

Erst diese Woche wies der Generalstaatsanwalt die Sicherheitsbehörden an, entschieden gegen Verstöße vorzugehen. Berichten zufolge sollen die Kleidungsregeln künftig auch mit moderner Überwachungstechnologie verfolgt werden. An die Spitze der iranischen Polizei berief Irans Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei jüngst den Vizechef Ahmad-Resa Radan, der für seine radikalen Einstellungen bekannt ist.

Der einflussreiche sunnitische Geistliche Maulawi Abdulhamid, der in der Protesthochburg Sahedan im Südosten immer wieder Teheran für die repressive Politik kritisiert, stellte sich in seiner Predigt hingegen auf die Seite der Demonstrantinnen und Demonstranten. „Unsere Hauptforderungen sind in erster Linie die nationalen Forderungen und die Forderungen des gesamten iranischen Volkes“, zitierte ihn „Etemad“.

Auch ein Geistlicher aus der Kulturstadt Isfahan hatte die islamischen Kleidungsvorschriften am Montag verteidigt. „Viele Frauen gehen ohne Hidschab auf der Straße an mir vorbei.“ Er sehe es jedoch nicht als seine Pflicht an, sie zu verwarnen.

Chamenei kritisiert „lockere“ Kopftücher

Viele Frauen und junge Leute wehrten sich in den vergangenen Monaten gegen Kritik der Geistlichen in der Öffentlichkeit. Als Form des Protests wurden immer wieder Videos von Menschen geteilt, die Predigern den Turban vom Kopf schlugen.

Staatsoberhaupt Chamenei hatte vor knapp zwei Wochen gesagt: „Schlecht oder locker sitzende Kopftücher sind nicht richtig. Aber es bedeutet nicht, dass wir sie entgegen von Religion und Revolution betrachten sollten.“ Nach der Islamischen Revolution 1979 wurden im Iran strenge islamische Kleidungsvorschriften eingeführt, die auch kontrolliert werden.

dpa/dtj