Hunderttausende Menschen fliehen aus Afghanistan, Irak oder Syrien vor Krieg und Elend und erhoffen sich in der Türkei ein besseres Leben. Für viele von ihnen ist die Türkei jedoch eine Zwischenstation. Sie wollen nach Europa, am besten nach Deutschland. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten sie unter schwierigsten Bedingungen und sparen. Und das über mehrere Jahre. Das Geld geht an die Schleuser, die sie über lebensgefährliche Routen nach Berlin, München oder Köln bringen sollen. So sind in den vergangenen Jahren über eine Millionen Flüchtlinge nach Europa gekommen.

Es gibt aber auch „die anderen“ Flüchtlinge. Die aufbrechen, aber nie ankommen. In der Ägäis ertrinken und dann entweder aufgefunden werden oder nicht. Oft haben sie keine Personalien, so dass man nicht weiß, wer sie sind, woher sie kommen und welche Wünsche und Träume sie hatten, als sie sich auf den Weg in ihre Wahlheimat gemacht haben. Für all diese Flüchtlinge hat die Großstadt Izmir im Westen der Türkei nun einen eigenen Friedhof eingerichtet. Ein Friedhof für unbekannte Flüchtlinge. Weit fern von der Heimat, in der Fremde. Man wird niemals etwas über ihre tragischen Schicksale erfahren, nie wissen, welchen Leidensweg sie beschreiten mussten.

Der neue Friedhof erinnert an Friedhöfe, die normalerweise nach großen und verheerenden Kriegen für unbekannte Soldaten eingerichtet wurden. Der Bereich (parsel) auf dem Friedhof Doğançay hat keinen eigenen Namen, sondern eine Nummer: 412. 158 namenlose Flüchtlinge sind es, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Jedem Leichnam wurde noch mal eine Unternummer zugewiesen, damit die Gerichtsmedizin von Izmir die DNA-Codes der Verstorbenen abspeichern und zuordnen kann.

Die Namen einiger Flüchtlinge aber sind bekannt. So zum Beispiel der der syrischen Anwältin Souad Salah Farran, die sich mit ihren drei Kindern auf die Reise der Hoffnung gemacht hatte, aber nie ankamt. Direkt neben ihr liegen Diana Nazari und Meryem Ahmadi aus Afghanistan begraben. Diana war vier, Meryem sieben, als sie in den Tiefen der Ägäis ertranken.

Doch stellen sie eine Ausnahme hier da. Falls sich irgendwann in der Zukunft jemand doch auf die Suche nach seinen Verwandten machen und dabei auf dem Friedhof Doğançay landen sollte, kann er anhand der Nummer des Grabes einen DNA-Vergleich machen lassen um zu erfahren und nachzuweisen, ob der Verstorbene ein Verwandter von ihm ist oder nicht.