In Istanbul ist ein wichtiger Oppositioneller aus der zentralasiatischen Republik Tadschikistan erschossen worden. Umarali Kuvatov, Führer einer oppositionellen Vereinigung mit dem Namen „Gruppe 24“, wurde am späten Abend des 5. März durch einen Kopfschuss getötet. Von den Tätern fehle bislang jede Spur. Dies berichtet die BBC.

Die Täter wollten offenbar auf Nummer sicher gehen. Kuvatov war kurz vor der Tat mit seiner Familie in einem Restaurant, um zu Abend zu essen. Anschließend brach er auf dem Weg zurück zusammen. Wenig später fielen die Schüsse. Kuvatov zeigte bei der anschließenden Obduktion Vergiftungserscheinungen, ebenso wie die übrigen Familienmitglieder, die im Restaurant anwesend waren und zur Tatzeit das Bewusstsein verloren.

Die türkischen Antiterroreinheiten ermitteln. Kuvatov sei bereits tot gewesen, als die Polizei am Tatort eintraf.

Ursprünglich war Kuvatovs Verhältnis zu Präsident Rakhmon intakt und er hatte zusammen mit dessen Schwiegersohn zwischen 2001 und 2012 die NATO-Verbände in Afghanistan mit Treibstoff versorgt. Später sollen jedoch „einflussreiche Leute“ seine Geschäftsinteressen hintertrieben haben. Daraufhin schloss sich Kuvatov der Opposition an und verließ das Land.

Kuvatov aus Tadschikistan ins Exil nach Istanbul

Kuvatov lebte seit 2011 im Exil in der Türkei. Die tadschikische Regierung warf Kuvatov die Beteiligung an mehreren Verbrechen vor und begehrte die Auslieferung, die Türkei lehnte diese jedoch ab. Der frühere Oligarch, der zu Beginn der 2000er Jahre unter anderem mit seiner Bau- und einer Ölexplorationsfirma zu einem stattlichen Vermögen gekommen war, wurde in der Türkei im Dezember kurzfristig wegen des Verdachts auf Visabetrug inhaftiert, aber kurz darauf wieder freigelassen.

Die Gruppe 24, die sich gegen die Regierung des tadschikischen Präsidenten Emomali Rakhmon richtet, war im Oktober in Tadschikistan als „extremistische Organisation“ verboten worden. Zuvor hatte sie versucht, eine Protestdemonstration in Duschanbe zu organisieren. Die Gruppe 24 hatte vor allem unter den zahlreichen Arbeitsmigranten aus Tadschikistan, die in der Türkei oder der Russischen Föderation ihren Lebensunterhalt verdienen, in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Die Vereinigung verfügte über ein intaktes Netzwerk und unterhielt auch aktive Social-Media-Accounts. Kuvatov umwarb bewusst diese Bevölkerungsgruppe und schien auf diese Weise für die Regierung in Duschanbe immer mehr zum Risikofaktor zu werden.

In Tadschikistan wurde zwei Tage vor dem Mord an Kuvatov ein weiteres Mitglied der Gruppe 24 wegen eines angeblichen Putschversuches und Beleidigung des Präsidenten zu 17 Jahren Haft verurteilt.

In den letzten Monaten wurden in der Türkei eine Reihe von Politikern und Aktivisten aus dem Kaukasus und Zentralasien ermordet, so etwa der tschetschenische Aktivist und ehemalige Kämpfer Kaim Saduev und der usbekische Gelehrte Abdullah Bukhari. Verwandte der Ermordeten erheben immer wieder schwere Vorwürfe gegen den russischen Auslandsgeheimdienst, den sie hinter den Taten vermuten.