Führungsnachwuchs: Der MBA steht unter Zugzwang

Das Kürzel mit den drei Buchstaben MBA, auch bekannt als „Master of Business Administration“, beschreibt einen akademischen Abschluss in allgemeiner Unternehmensführung. Einem Absolventen des MBA-Programms stehen die Türen offen für Führungspositionen in internationalen Großunternehmen – und damit die besten Aussichten auf ein üppiges Gehalt. Der „Master of Business Administration“ ist ein begehrter Titel unter aufstrebenden Nachwuchskräften, der in der Regel nach einem Erststudium und einigen Jahren im Beruf angestrebt wird. Ziel der jungen Nachwuchskräfte ist es, den letzten Karriereschritt zu gehen, um sich für Führungsaufgaben zu qualifizieren. Viele sind bereit, sich für ihren Erfolg eine Auszeit zu nehmen und mehrere Tausende von Euros in ihre Karriere zu investieren.

Allerdings hat sich seit der Finanzkrise viel verändert. Die Bewerberzahlen an den Elite-Schulen gingen zurück. Das Lehrsystem musste reformiert werden und den neuen Anforderungen von Wirtschaft und Bewerbern gerecht werden. Dazu gehörten die Abkehr von langweiligen Seminaren und die Einführung internationaler Fallstudien und praktischer Projekte in fernen Ländern. Die Nachwuchsmanager bringen jedoch auch eine neue Mentalität mit. Geldgier und Egoismus sind zunehmend verpönt. Ethikkurse dagegen sind gefragter denn je.

Für bis zu 100.000 Euro an Kursgebühren vermittelt ein MBA-Lehrgang nun nicht nur praxisrelevantes Wissen für Führungskräfte, sondern auch Fachvokabular und die Fähigkeit, sich in einem Spezialgebiet mit Menschen aus anderen Kulturen und in einer fremden Sprache auszutauschen.

So gibt es mittlerweile Bergtouren in Asien und Südamerika, Kampfkurse in Quantico und Expeditionen nach Lappland. Das klingt nicht gerade nach Studium, erst recht nicht nach Business Management. „Leadership Ventures“ heißen die Abenteuer-Projekte, bei denen MBA-Studenten Führungsqualitäten, Risikobewusstsein, Kommunikationsfähigkeit und Entschlusskraft trainieren können.

Arbeitsplätze wurden abgebaut

Aufgrund der angespannten Wirtschaftslage, in der wir uns befinden, hat es eine Business School nicht leicht. Arbeitsplätze im Finanzsektor wurden seit der Finanzkrise kontinuierlich abgebaut. Vor der Finanzkrise ging das Kalkül der Absolventen noch auf, denn schon zur Mitte der Studienzeit erschienen stets die ersten Manager auf dem Campus, um sich nach angehenden Absolventen umzusehen. Spätestens mit dem Diplom kam dann der Arbeitsvertrag.

Allerdings ist es jetzt auch nicht so, dass man von den zahlungskräftigen Konzernen nichts mehr hören würde. Die Angebote sind lediglich weniger geworden. Gerade Beratungsunternehmen und Finanzdienstleister haben ihre Nachfrage nach Jungmanagern zurückgeschraubt. Nun versuchen die Wirtschaftsschulen, nicht nur ihre Schüler besser vorzubereiten, sondern vor allem die Beziehungen zur Industrie zu verbessern. Zwar zahlt man dort nicht so viel wie bei den Banken, sie stellt aber eine gute und lukrative Alternative für den MBA-Absolventen dar.

Harvard, Stanford oder Wharton sind bekannte Namen in der Wirtschaft. Doch selbst der gute Platz auf den Rankinglisten garantiert in der heutigen Wirtschaftslage keinen sicheren Manager-Platz mehr. Umso wichtiger wird das Arbeitgeber-Profil der Elite-Schulen. Sie müssen noch internationaler arbeiten und auf ihre kulturelle Vielfalt setzen, um den globalen Anforderungen der Zeit und der Wirtschaft gerecht zu werden. Der Schritt in die Führungspositionen der Wirtschaft ist jedenfalls schwieriger geworden.