„Furcht vor einer Türken-Flut auf Europa ist absurd“

Bağış schrieb in The Guardian über die grundsätzliche Haltung derer, die den EU Beitritt der ablehnen, weil das Land ihrer Meinung nach “zu groß, zu arm und zu muslimisch” sei. Für die Phase der EU Kandidatur sei dies äußerst demotivierend. „Dieser Gedanke ist absurd und zu tiefst verletzend“, kritisierte Bağış.
Bağış betonte, dass die Türkei laizistisch ist und den Laizismus Ländern, wie Ägypten, Tunesien und Algerien empfiehlt. Außerdem sei es unerklärlich, dass beispielsweise Brasilien mit 200 Millionen oder Mexiko mit 120 Millionen Einwohnern ein Visum-Abkommen mit haben und die Türkei mit rund 70 Millionen Einwohnern als zu groß empfunden wird.
In seiner Kolumne in der Londoner Zeitung The Guardian bezeichnet Bağış das Schengenabkommen als ein großes Hindernis für die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei. Im Übrigen gäbe es zahlreiche Künstler, Touristen, Schüler und Geschäftsleute, die keine Absichten hätten, nach Europa auszuwandern und dennoch ein sinnloses, zudem sehr teures Visum beantragen müssten. ,,Die Türkei ist der einzige EU- Beitrittskandidat, der nicht in dem Schengenabkommen inbegriffen ist. Doch mit Ländern außerhalb der EU, wie zum Beispiel Russland, der Ukraine, Moldawien und Georgien werden Verhandlungen um das Visum und dem Beitritt zum Schengenabkommen geführt“, stellte Bağış in seiner Kolumne fest. Bağış erinnerte außerdem an den Beschluss des Europäischen Gerichtshofes und einigen Nationalen Gerichtshöfen, beispielsweise in Deutschlands und den Niederlanden, nach denen türkische Bürger dieser Länder das Recht auf visumfreies Reisen haben: “Warum werden wir immer noch ausgeschlossen?”