Kaum war die Unterschrift unter den millionenschweren Vertrag gesetzt, da überraschte Galatasaray Istanbuls Neuzugang Lukas Podolski schon mit ersten Türkischkenntnissen. „Oooh, Çay“, kommentierte der Fußball-Nationalspieler grinsend, als ihm noch auf dem Podest der Pressekonferenz ein landestypischer Schwarztee serviert wurde. Ein kurzes Posieren im neuen Trikot mit dem obligatorischen „Daumen hoch“ und eine kleine Stadiontour – dann war der 30-Jährige wieder verschwunden.

Kurz darauf veröffentlichte Galatasaray die dazugehörigen Zahlen zum Dreijahresvertrag mit der Option auf ein weiteres Jahr: Podolski kassiert drei Millionen Euro pro Saison und zusätzlich 20 000 Euro pro Einsatz. Türkischen Medienberichten zufolge darf er nach dem Wechsel vom FC Arsenal zunächst noch seinen Urlaub mit der Familie in Antalya fortsetzen. Die neuen Teamkollegen brachen bereits am Sonntag ins zwölftägige Trainingslager nach Österreich auf.

Übel nehmen die Anhänger am Bosporus dem (deutschen) Fan-Liebling diese Extra-Wurst nicht. Auch ohne die Bemühungen um die neue Fremdsprachen: Der Fußball-Weltmeister hatte die Massen am Samstag schon am Flughafen in Istanbul auf seiner Seite – und wurde von ihnen beinahe erdrückt. Nach wenigen Sekunden baumelte ein gelb-roter Fan-Schal um seinen Hals. „Es war ein wundervolles Willkommen für mich. Danke für eure Unterstützung“, schrieb der (deutsche) Fan-Liebling auf Twitter.

Schon in den Tagen zuvor hatte der frühere Bayern-Profi mit Facebook-Mitteilungen auf Türkisch kein großes Geheimnis mehr aus dem erwarteten Wechsel gemacht. „Das Paket hat hier gepasst. Ich denke, es ist der richtige Schritt“, betonte Podolski nun bei seiner von zahlreichen Journalisten und Fotografen begleiteten Vorstellung. Mit Galatasaray in der Champions League angreifen und regelmäßige Einsätze, um die eigenen Chancen auf eine EM-Teilnahme 2016 zu verbessern: Das treibt den Offensivspieler an.

„Ein Weltstar für einen Teepreis“

Arsenal-Coach Arsène Wenger hatte Podolski nach Angaben seines Beraters Nassim Touihri keine Stammplatz-Garantie mehr gegeben. Der türkische Meister dagegen hätte sich „schon über Jahre bemüht – diesmal sehr intensiv“. Die Ablösesumme liegt nach Vereinsangaben bei 2,5 Millionen Euro. Sollte sich der Club in den kommenden drei Spielzeiten einmal für die Champions League qualifizieren, werden noch einmal 500 000 Euro fällig. Zu viel Geld für einen Weltmeister? Mitnichten, meinten die Medien am Bosporus. „Ein Weltstar für einen Teepreis“, schrieb „Hürriyet“. „Für viele Positionen auf dem Spielfeld ein Heilmittel“, hieß es auf der Website „Goal“.

Der Wechsel bedeutet für Podolski zwar den Gang aus den europäischen Topligen; an der Seite des ehemaligen Bayern-Profis Hamit Altintop und des niederländischen Nationalspielers Wesley Sneijder dürfte er aber zumindest wieder öfter spielen als zuletzt. Im Winter war der Herzenskölner von Arsenal an Inter Mailand ausgeliehen worden, konnte dort jedoch nicht überzeugen. „Jetzt freue ich mich, wenn ich endlich wieder auf dem Platz stehen und trainieren kann“, sagte Podolski. „Ich lebe meinen Traum – und den werde ich noch weiter leben.“ (dpa/dtj)