MEINUNG Der Terror hat sich heute in Istanbul wieder von seiner grausamen Seite gezeigt. Wir wissen nicht, wo, wie und wen er treffen wird.

Der Anschlag passierte in Istanbul, doch er traf deutsche Staatsbürger. Verantwortlich soll laut Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu der IS sein, jener IS, der zuletzt auch in München zuschlagen wollte, jener IS der bereits in Ankara und Suruç zuschlug.

Das bringt nun die Frage mit sich: Galt der Anschlag auf dem Sultanahmet-Platz nun der Türkei – oder doch Deutschland?

Klar lässt sich das nicht beantworten. Die deutschen Sicherheitsbehörden wurden in den letzten Wochen nicht müde zu betonen, wie hoch die abstrakte Gefahr für einen Anschlag sei. Nun ist er nicht auf deutschem Boden passiert, aber die Opfer sind trotzdem Deutsche. Wie wird sich Innenminister de Maizière dazu äußern? Hat der IS Rache genommen für die vereitelten Anschläge auf deutschem Boden?

Doch auch die Türkei ist betroffen, mindestens ihre Tourismusindustrie. Es ist nun schon der dritte größere Anschlag innerhalb weniger Monate – den PKK-Terror noch gar nicht mit einberechnet. Die Regierung ist gefordert, mit Nachrichtensperren lässt sich Terror nicht bekämpfen.

Die Türkei und Deutschland sind enge Partner. Jetzt ist es Zeit, Seite an Seite zu stehen und sich nicht gegenseitig zu beschuldigen. Das würde nur den Terroristen in die Hände spielen.

Und noch etwas: Ob #prayforparis, #prayforbeirut oder #prayforistanbul – wir sollten aufhören, Opfer gegeneinander aufzuwiegen. Gestern traf es einen Franzosen, heute vielleicht einen deutschen Nachbarn in Dortmund. Mein Beileid gilt den Angehörigen. Başımız sağolsun.