Griechisch-Orthodoxe Gläubige in Jerusalem

Der Gazastreifen macht meist wegen des Konflikts zwischen der dort regierenden Hamas und Israel Schlagzeilen. Die Mehrheit der arabischen Bevölkerung ist muslimisch, es gibt dort aber auch Christen. Auch sie leiden unter Krieg, Armut und der israelischen Blockade. Aber in diesen Tagen freuen sie sich auf Weihnachten und berichten, wie sie in Gaza leben und das Fest begehen.

Im palästinensischen Gazastreifen scheint jeden Tag Weihnachten zu sein, zumindest erklingt das ganze Jahr über Weihnachtsmusik. Dabei leben in der weitgehend von der Außenwelt abgeschnittenen Enklave am Mittelmeer nur etwa 3000 Christen zwischen 1,7 Millionen Muslimen.

Und sie feiern Weihnachten auch nur im Winter. Für die weihnachtliche Dauerberieselung aber sind kleine Tanklastwagen verantwortlich, die Trinkwasser zu den Häusern bringen: Sie haben Lautsprecher dabei, aus denen das bekannte Weihnachtslied „Jingle Bells“ plärrt und so den Bewohnern ankündigt, dass sie mit Eimern und Kanistern auf die Straße rennen müssen.

In dem nur 40 Kilometer langen und zwischen 6 und 14 Kilometern breiten Gazastreifen gibt es drei christliche Konfessionen: eine griechisch-orthodoxe, die die meisten Mitglieder hat, sowie eine katholische und eine evangelische mit jeweils nur etwas mehr als 200 Gläubigen.

An Weihnachten nach Betlehem

Während die Christen ebenso wie die muslimische Mehrheit unter der israelisch-ägyptischen Blockade leiden, besitzen sie doch ein Privileg: Sie dürfen in der Weihnachtszeit über den israelischen Kontrollpunkt Erez ausreisen, um Heiligabend in Bethlehem feiern zu können. Dort steht die Geburtskirche über der Grotte, in der Jesus nach christlicher Überlieferung geboren wurde.

Ausgenommen sind jedoch alle Christen zwischen 16 und 30 Jahren. Muslime lassen die Israelis nur in Ausnahmefällen durch Erez ausreisen: vor allem Geschäftsleute oder wenn es sich um humanitäre Fälle handelt.

Bei den Weihnachtsbesuchen im Westjordanland trifft die Familie von George Mattas auch immer dort lebende Freunde und Verwandte. Und die Kinder können Gleichaltrige kennen lernen. Denn einen Partner fürs Leben zu finden ist für Christen im Gazastreifen nicht einfach. Die Ehen werden in der konservativen Gesellschaft noch immer meist von den Eltern arrangiert. Und infrage kommen nur christliche Kandidaten, ob nun aus dem Gazastreifen oder aus dem Westjordanland, wo es viel mehr „Auswahl“ gibt, ist dabei egal. „Ich würde es nicht zulassen, dass eines meiner Kinder einen Nicht-Christen heiratet“, sagt der Kaufmann bestimmt.

„Die vergangenen vier Weihnachten war ich mit meiner Familie in Bethlehem“, erzählt George. Der hochgewachsene Mann wohnt mit seiner Familie in Gaza-Stadt in einem alten Haus mit riesigem Garten hinter einer hohen Mauer. Seine Mutter ist Griechin, weshalb auch er einen griechischen Pass hat. Der Bekleidungs-Importeur könnte also jederzeit aus der dem Gazastreifen entkommen, den manche als das größte Freiluftgefängnis der Welt bezeichnen. Seine Mutter und sein Bruder leben seit langem in Australien. „Ich bin Palästinenser und will hier nicht weg, meine Familie, meine Freunde, darunter viele Muslime, und mein Geschäft halten mich“, sagt er, während ihm die hellbraune Hauskatze schnurrend um die Beine streicht.

Christliche Palästinenser tief verwurzelt in Gaza

Wenn die griechisch-orthodoxe Familie Weihnachten zuhause feiert, werden Weihnachtslieder gesungen und die Weihnachtsmesse in der St. Porphyrius-Kirche besucht. Dort kommt auch der Weihnachtsmann und verteilt Geschenke an alle Kinder. Und hinterher gibt es zu Hause ein großes Essen mit befreundeten christlichen Familien. Auch ein Weihnachtsbaum wird auch aufgestellt und mit Girlanden, bunten Kugeln sowie elektrischen Kerzen geschmückt. Nur ist der Baum aus Plastik, denn frisch geschlagene Weihnachtsbäume gibt es im Gazastreifen schon lange nicht mehr.

Sehr viel Grün ist wegen der Wasserknappheit und hoher Bevölkerungsdichte ohnehin nicht mehr übrig, schon gar keine Nadelbäume für ein Weihnachtsfest. Die Einfuhr wäre wegen der israelischen Blockade zu kompliziert und teuer. Denn Israel erlaubt auch kaum Exporte aus der Enklave. Die Mehrheit der Menschen ist deshalb arm und auf internationale Hilfe angewiesen.

„Im täglichen Leben haben wir als Christen keine Nachteile“, sagt George. Gewalt von Muslimen gegen Christen wie in Ägypten ist selten. Aus politischen Konflikten aber halten sich die Christen heraus. „Wir sind neutral“, antwortet er vorsichtig auf die Frage nach seiner Meinung zur Hamas. Die Schuld an der schwierigen Situation sieht er überwiegend bei den Israelis. „Sie denken nur an sich selbst, an niemanden sonst“, klagt er. „Frieden? Den gibt es vielleicht in 100 Jahren“, glaubt er: „Aber trotzdem sind Frieden und ein normales Leben immer mein größter Weihnachtswunsch.“ (dpa/dtj)