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Gaza kein großes Thema in der Türkei

Erdoğan beschränkt sich im Bezug auf die israelischen Luftschläge gegen Gaza momentan lediglich auf vergleichsweise harmlose rhetorische Angriffe. Auch die türkischen Medien reagieren ungewohnt zurückhaltend. Warum?

Das große politische Thema in der Türkei ist aktuell die  Präsidentschaftswahl. Der aktuelle Angriff des israelischen Militärs auf den Gaza-Streifen – traditionell ein wichtiges Thema von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan – geraten in den Hintergrund. Zwar setzen sich einige Kommentatoren durchaus Israel-kritisch mit der Krise auseinander und in den sozialen Medien spielt Gaza gerade unter türkischen Nutzern eine große Rolle. Jedoch ist Gaza auch in den türkischen Medien kein Top-Thema. 

Zwar äußerte sich Erdoğan in der Provinz Yozgat im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung zu Gaza und sagte, es wäre für Ankara nicht möglich, die Beziehungen zu Israel wiederherzustellen, während das Land Gaza weiterhin belagere und Tausende von Bomben über dem Gebiet abwerfe. Erdoğan betonte, es habe drei Bedingungen für eine Normalisierung gegeben und die ersten beiden – Entschuldigung und Entschädigung – seien bereits erfüllt. „Aber es scheint, als hätte Israel keine Absicht, die Gaza-Blockade aufzuheben“, äußerte Erdoğan. „Wie sollen wir dann aber die Beziehungen zu Euch normalisieren?“

Doch der Regierungschef beschränkt sich momentan lediglich auf vergleichsweise harmlose rhetorische Angriffe auf das israelische Vorgehen.

Erdoğans Rhetorik ist ungewohnt zurückhaltend

Erdoğan sagte, es wäre das Haupthindernis auf dem Weg zum Frieden in der Welt, dass „Israel in einem Akt der unverhältnismäßigen Gewaltanwendung gegen unschuldige Menschen 300-400 000 Bomben auf Gaza abwirft“.

„Zuerst müsst Ihr diesen Despotismus stoppen“, so Erdoğan. „Es ist keine Normalisierung zwischen Israel und der Türkei möglich, ehe Ihr das nicht stoppt. Ich will das in besonderer Weise betonen“.

Erdoğan erklärte, er habe am Donnerstag mit mehreren politischen Führern hinsichtlich der Gaza-Offensive gesprochen. Das Amt des Premierministers bestätigte, dass er unter anderem mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und Hamas-Führer Khaled Mashaal gesprochen hätte. Abbas und Mashaal dankten der Türkei für ihre Unterstützung und drängten die internationale Gemeinschaft dazu, ihren Teil dazu beizutragen, um einen umgehenden Waffenstillstand zu sichern.

Eine Luftoffensive der israelischen Armee gegen der Hamas zuzuordnende Ziele in Gaza, die seit Beginn der Woche geflogen wurde, hat bis dato 85 Todesopfer unter den Palästinensern gefordert. Israel hat zudem 40 000 Reservisten für eine mögliche Bodenoffensive mobilisiert, auch wenn die Operation auf den Luftraum fokussiert bleiben soll.

Beobachter vermuten derweil hinter der Zurückhaltung Hintergrund des türkischen Ministerpräsidenten die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Israel, die sich momentan auf einem historischen Hoch befinden.

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