In der Türkei wurde gegen einen Polizeibeamten, der am Donnerstag während einer Protestkundgebung in Gaziantep einen Kollegen mittels physischer Gewalt dazu gezwungen haben soll, Tränengas gegen Demonstranten einzusetzen, eine offizielle Untersuchung eingeleitet.

Etwa 400 lokale Geschäftsleute hatten an diesem Tag im Bezirk Karataş (Provinz Gaziantep) gegen eine neue Industriezone demonstriert, deren Errichtung die Bezirksverwaltung zugestimmt hatte. Die Polizei intervenierte, um die Menge auseinanderzutreiben, als diese sich auf das Verwaltungsgebäude zubewegte. Eine Person wurde festgenommen.

In einem Video ist zu sehen, wie ein Polizist einen Kollegen am Kragen packt, in die Vorwärtsbewegung nötigt und ihn mit den Worten „Sprüh es, sprüh es“ zwingt, Tränengas einzusetzen.

Nachdem der Vorfall in den sozialen Netzwerken für großes Aufsehen gesorgt hatte, kündigte das Büro des Gouverneurs von Gaziantep an, dass es eine gründliche Untersuchung des Vorfalls und allfällige Maßnahmen gegen den Polizeibeamten wegen dessen „negativen Verhaltens“ geben werde.

Die Erklärung vom 13. Februar rechtfertigte allerdings die Zerstreuung der Menge, da diese Warnungen ignoriert und den Verkehr zum Erliegen gebracht hätte.

„Diese Szenen sind Indikatoren dafür, dass es eine zivile Diktatur in der Türkei gibt“, kommentierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Abgeordnete für Sinop der Cumhuriyet Halk Partisi (Republikanische Volkspartei; CHP), Engin Altay, am Donnerstagabend. „Jeder, der versucht, sein Recht auszuüben, auf Entscheidungen der Regierung zu reagieren, wird als potenzieller Krimineller oder Terrorist betrachtet.“