BLOG Nach den jüngsten Anschlägen in Paris und im Libanon streiten sich mehrere Lager über die Bekundung der Solidarität zu den Opfern. Ich bin es leid, dass wir nicht gemeinsam trauern können. Egal ob in Europa oder Asien, es bleiben die gleichen wertvollen Menschen, die unschuldig sterben müssen.

Noch nicht lang ist es her, dass hunderte von jungen Menschen bei einer friedlich Demonstration im Herzen von Ankara durch ein grauenvolles Selbstmordatentat in die Luft gejagt wurden. Ich fühlte mich angegriffen, fühlte Schmerz und Hass. Hass auf die Menschen, die es dazu kommen lassen haben und die Menschen, die nicht mit mir zusammen trauern wollten. Ehrlich gesagt, fühlte ich mich bei diesem Anschlag betroffener, als bei so manch einem Anschlag, bei dem es zu einer noch größeren Opferzahl kam. Die Frage nach dem „Wieso“ stellte ich mir nicht, es war mehr oder weniger für mich selbstverständlich. Vielleicht auch aus dem Grunde, dass ich noch vor wenigen Monaten am selben Ort war.

Die aktuellen Ereignisse lassen mich aber darüber nachdenken, ob ich mich etwa betroffener gefühlt habe, weil ich diesen Ort kenne.

Eine Trauer, die uns verbindet

Die aktuellen Ereignissen und die dadurch entstandene Facebook-Politik zeigt mir aber, dass egal ob in der Türkei, egal ob im Libanon oder sonst wo auf dieser Welt, auch NUR unschuldige MENSCHEN sterben. Egal ob es Franzosen, Türken, Deutsche oder Libanesen sind: Die Opfer bleiben immer Menschen.

Ich kann daher auch gut nachvollziehen, dass einige mehr um die Franzosen trauern als um die Libanesen, denn von diesem Land trennt uns nur eine Grenze und eine langwierige Geschichte. Auch die Nachrichten bringen mir das Land Frankreich näher, als die Länder im Nahen Osten.

Genauso gut verstehe ich heute aber auch die Menschen, die sich in ihrer Trauer allein gelassen fühlen, auch weil Facebook nicht die anderen betroffenen Länder als Profilbild-Möglichkeit bietet. Das soll aber auch kein Grund dafür sein über Menschen herzuziehen, die nur mit Frankreich trauern. Vielmehr sollten wir unserem Umfeld klar machen, dass das, was in Paris passiert ist, aktuell weltweit passiert. Wir sollten nun an uns arbeiten und wie einst nach dem Solinger Brandanschlag für jedes Opfer gemeinsam trauern, eine Trauer die uns auf ewig verbindet, denn egal ob in Syrien oder in Paris; es sterben Menschen, wie du und ich!


(Foto: dpa)