Generation Y verändert die Arbeitswelt

Warum spricht man überhaupt von Generation Y? Der Buchstabe Y klingt englisch ausgesprochen wie das Wort „Why“, zu Deutsch: „Warum?“ Und in der Tat sagt man der Generation Y der zwischen 1980 und 2000 Geborenen sagt man nach, sie würden alles hinterfragen und in ihrem Beruf in erster Linie nach Sinn suchen. Die Generation Y rekrutiert sich überwiegend aus hochqualifizierten Nachwuchskräften, die aus anderen Beweggründen weit fordernder und selbstbewusster auftreten als alle früheren Generationen.

Freiräume zur Selbstverwirklichung sind ihnen wichtig

Work-Life-Balance ist ihnen wichtig. Für die Karriere das Leben zu opfern ist die Generation Y längst nicht mehr bereit. Spaß an der Arbeit, intellektuelle Herausforderung, Verantwortung und Gestaltungsspielräume sind ihnen viel wichtiger. Die oft fälschlicherweise als „Null-Bock-Generation“ Betitelten sind sie nicht. Der richtige Umgang und die richtige Arbeitschemie müssen lediglich vorhanden sein, dann stimmt auch die Leistung. Die Neuen wollen Spaß haben, schnell vorwärtskommen und dabei weniger Zeit in ihrem Job verbringen. Und nebenbei wollen sie auch noch die Welt retten. Die neue Generation besteht aus Idealisten.

Ingo Kucz, leitender Mitarbeiter in der Konzernstrategie der Deutschen Bahn, arbeitet Vollzeit, etwa 40?Stunden die Woche, manchmal mehr. So sagte er: „Wenn ich bei der Deutschen Bahn nicht so flexibel arbeiten könnte“, sagt er, „würde ich mir einen anderen Job suchen.“ Kucz beschreibt in einfachen Worten, wie die neue Generation im Großen und Ganzen tickt. Persönliche Freiräume sind ihnen unverkäuflich.

Die neue Generation möchte alles auf einmal

Es ist von der ökonomischen Einordnung her (nicht mit den politischen Zuordnungen zu verwechseln) die dritte Generation, die Deutschland nach 1945 verändert. Zuerst war da die Trümmer- oder Flakhelfergeneration nach dem 2. Weltkrieg, jene Skeptiker, die von Trauma und Entbehrung gezeichnet waren. Sie bauten Deutschland wieder auf. Ihnen folgte die Generation Golf, die in der Blütezeit der Bundesrepublik aufwuchs. Sie war repräsentabel und profitierte vom deutschen Wirtschaftswunder. Sie war geschäftig, liebte den Konsum und war kämpferisch. Und nun kommt die Generation Y. Sie hat gelernt, dass alles hinterfragt werden kann, nichts so sein muss wie es ist und alles möglich ist. Die Y-Vertreter sind mit unzähligen Optionen groß geworden, im Alltag und im Internet. Für sie gibt es keine Grenzen, eher ist die Grenzenlosigkeit ihr Problem. Sie wollen alles unter einen Hut bekommen. Ihnen geht es um Familie, Karriere und Freunde. Alles auf einmal.

Deswegen erwarten sie viel von ihren neuen Arbeitsgebern. Für die Arbeitgeber sind das wiederum viele neue Ansprüche. Hauptsächlich wird mehr Selbstbestimmung und Flexibilität vom Unternehmen erwartet. Kollegialität und persönliche Entwicklung ist der Generation vorrangig wichtig, weit abgeschlagen liegen für sie Prestige und Anerkennung.

Der demografische Wandel ist ihre größte Waffe

Diese Generation kann wirklich viel verändern, denn hinter ihnen steht eine Macht, die ihre Eltern und Großeltern vorenthalten blieb: Es ist die Macht des demografischen Wandels in der Bundesrepublik. Vielen Branchen gehen heute schon die Fachkräfte aus. Die Macht der Knappheit kann zum mächtigsten Instrument der Generation Y werden.

„Die Mitglieder der Generation Y können ihre Vorstellungen in die Berufswelt retten, weil sie davon profitieren, dass es nur wenige von ihnen gibt“, sagt Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen. Und Gerhard Rübling, der Personalchef des schwäbischen Maschinenbau-Unternehmens Trumpf, fügt hinzu: „Solange die Ansprüche erfüllt werden, sind die neuen Arbeitnehmer 150-prozentig loyal. Genügt der Arbeitgeber ihren Anforderungen nicht mehr, gehen sie ohne Bedauern.“

Das Machtverhältnis verändert sich in der deutschen Wirtschaft. Noch vor wenigen Jahren hatten die Arbeitgeber die Möglichkeit, sich ihre „unterwürfigen und abhängigen“ Arbeitskräfte noch auszusuchen. Mit der sich wandelnden Demografie ändert sich auch das Kräfteverhältnis. Nun suchen sich die Fachkräfte ihren Arbeitgeber aus und er ist gezwungen, sich zunehmend den Wünschen und Interessen des Arbeitnehmers anzupassen.

Die Generation Y will keine Kompromisse mehr machen. Passt der Führungsstil nicht, existieren zu viel Hierarchie und zu wenig Freiräume, dann wird schlichtweg gekündigt. Mit der Kultur von Befehl und Gehorsam sind Konzerne in Deutschland lange erfolgreich gewesen. Doch die neue Generation verweigert sich. Sie wollen für etwas arbeiten, dass ihnen Spaß macht.