Bei der Erstürmung der internationalen Gaza-Hilfsflotte durch israelische Spezialkräfte kamen am 31. Mai 2010 auf der Mavi Marmara neun türkische Staatsbürger ums Leben, mehrere Aktivisten wurden verletzt. Opfer und Hinterbliebene fordern seither die Verurteilung der Verantwortlichen. Erst jetzt hat das zuständige Gericht in Istanbul (İstanbul 7. Ağır Ceza Mahkemesi) Untersuchungen auf dem Schiff durchgeführt.

Im Hafen von Karaköy Salı Pazarı machten die Experten Fotos und Aufnahmen. Auch die Anwälte der Hinterbliebenen waren bei den Untersuchungen dabei. In einem Monat soll dann ein Bericht vorgelegt werden. Aus Sicht der Opfer war sei es sehr wichtig zu wissen, aus welcher Distanz und welchem Platz die Schüsse abgefeuert wurden, sagte Yasin Şanlı, einer der Anwälte. Den israelischen Soldaten wird gezielte Tötung sowie Folter der Aktivisten vorgeworfen. Şanlı zufolge halten die Opfer und Hinterbliebenen weiterhin an einem internationalen Haftbefehl gegen die Verantwortlichen fest. Ein solcher wurde bislang nicht ausgestellt, obwohl die Regierungen von Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu und Recep Tayyip Erdoğan immer wieder betont hatten, sich dafür einsetzen zu wollen.

Aus der Türkei hatte die Hilfsorganisation IHH (Insan Hak ve Hürriyetleri ve İnsani Yardım Vakfı – Stiftung für Menschenrechte, Freiheiten und Humanitäre Hilfe) an der Hilfsaktion für den Gazastreifen teilgenommen. Seither hatte es zumindest auf diplomatischer Ebene eine Eiszeit zwischen der Türkei und Israel gegeben.

Warum es bis jetzt keine Untersuchungen auf der Mavi Marmara gab, bleibt unklar.