Das niederländische Parlament will einen im Osmanischen Reich an Armeniern angeblich begangenen Massenmord als Völkermord anerkennen. Vertreter von Regierungsfraktionen und Opposition erklärten sich am Donnerstag im Parlament bereit, einen entsprechenden Antrag zu unterstützen.

Die Anerkennung als Genozid könnte die ohnehin angespannten Beziehungen der Niederlande zur Türkei weiter verschlechtern.

Bei Massentötungen und Deportationen von Armeniern waren von 1915 an nach Schätzungen bis zu 1,5 Millionen Angehörige der christlichen Minderheit ums Leben gekommen. Die Türkei bedauert dies, lehnt die Einstufung als Völkermord aber strikt ab.

In den Niederlanden legte die konservativ-christliche Regierungspartei ChristenUnie zwei Entschließungsanträge vor. Im ersten soll das Parlament den Völkermord anerkennen. Im zweiten Antrag wird die Regierung aufgefordert, einen offiziellen Vertreter zur Gedenkfeier in Eriwan am 24. April zu entsenden. Das Parlament wollte noch am Donnerstag abstimmen.

Die niederländische Regierung kündigte an, den Völkermord nicht anzuerkennen, sondern weiterhin von «der Frage des armenischen Genozids» zu reden.

Das Verhältnis der beiden Nato-Partner ist angespannt, nachdem die Niederlande 2017 Auftritte türkischer Minister vor dem Referendum zur neuen Verfassung untersagt hatten. Anfang Februar hatten die Niederlande ihren Botschafter formell aus Ankara zurück gerufen.

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dpa